Senkung der Kapitalkosten: Vier globale Perspektiven dazu, was IWF und Weltbank tun sollten
Was sollten IWF und Weltbank tun, um die Kosten der Entwicklungsfinanzierung zu senken? Im Vorfeld ihrer Jahrestagung 2026 in Bangkok bündeln sechs Autor:innen Perspektiven aus Afrika, Lateinamerika, Indien und Europa und stellen Vorschläge vor, wie sich Finanzierungen erschwinglicher gestalten lassen, wie man nicht tragbare Schulden angehen kann und wie der Übergang zu sauberer Energie unterstützt werden kann.
Wie geht es weiter mit der „Borrowers’ Platform”?
Die im April 2026 lancierete „Borrowers’ Platform“ bietet einen neuen Rahmen, um die Art und Weise zu verändern, wie Entwicklungsländer ihre Schuldenprobleme bewältigen. Durch gemeinsames Handeln – mit Unterstützung der UNCTAD als Sekretariat – sollen sie in die Lage versetzt werden, ihre Schuldenprobleme zu lösen. Von entscheidender Bedeutung sind Schuldenneuverhandlungen und der Zugang zu konzessionären Finanzierungen. Ein Schuldenerlass ist für mehrere Länder, die unter einer hohen Schuldenlast leiden, dringend erforderlich, da sich diese in den kommenden Jahren auf ihre Liquidität auswirken wird. Anstelle eines langwierigen, fallbezogenen Verfahrens würde ein Schuldenerlass eine sofortige Entlastung ermöglichen. Die Schuldenrisiken gehen jedoch über kurzfristige Liquiditätsprobleme hinaus, insbesondere nach Jahren systemischer Krisen. Langfristig ist ein Umschuldungsprozess durch einen unabhängigen, zeitnahen, transparenten und umfassenden Mechanismus entscheidend für eine effiziente Schuldenbewältigung.
Wo sind die Stimmen der Arbeiterinnen, wenn Handelskonflikte zuschlagen?
In Madagaskar haben Beschäftigte eigentlich ein gesetzliches Mitspracherecht. Doch nachdem die USA das Land mit Zöllen belegt hatten und das AGOA-Handelsabkommen ausgelaufen war, saßen Arbeiterinnen der Textilindustrie nicht mit am Verhandlungstisch. Warum? Ein Beitrag zum Welttag für menschenwürdige Arbeit.
Der IWF vergisst seine Sonderziehungsrechte
Anlässlich des fünften Jahrestags der historischen Zuteilung von Sonderziehungsrechten im Jahr 2021 hat der IWF beschlossen, die Weltwirtschaft nicht erneut zu stützen. Wie bedauerlich. Vor fünf Jahren, als die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft zog, traf die internationale Gemeinschaft die richtige Entscheidung und teilte Sonderziehungsrechte (SZR) im Wert von 650 Milliarden US-Dollar zu. SZR sind ein Vermögenswert, den der Internationale Währungsfonds (IWF) schaffen kann, um die Liquidität im globalen Finanzsystem zu erhöhen.
Kursänderung schwächt Armutsbekämpfung
Der Bundesrat will die internationale Zusammenarbeit der Schweiz ab 2029 neu ausrichten und bereits ab 2027 umfassende Anpassungen einleiten. Und das alles an Parlament und Expert:innen vorbei. Eine kritische Einordnung von Laura Ebneter und Kristina Lanz von Alliance Sud.
Südafrika verschiebt den Antrag auf Aufnahme in den Pariser Club und wendet sich stattdessen der „Global Borrowers’ Platform“ zu
Dem Pariser Club teilte Südafrika mit, dass es seine Zusammenarbeit als Ad-hoc-Teilnehmer fortsetzen werde, anstatt zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Vollmitgliedschaft anzustreben. Die Regierung hat sich der „Global Borrowers’ Platform“ angeschlossen. Diese beschreibt sich selbst als ein von Schuldnern geführtes Forum zum Wissensaustausch und zur Stärkung ihrer gemeinsamen Stimme. Südafrika bekennt sich weiterhin zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Pariser Club und wird sich auch künftig an Diskussionen über internationale Schuldenfragen beteiligen.
Von Sevilla nach Bangkok: Wo bleiben die Reformen von IWF und Weltbank?
Vor den Jahrestagungen der beiden Institutionen zieht Bodo Ellmers für das Global Policy Forum eine ernüchternde Bilanz der Zusagen der UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Sevilla. Während die Weltbank Rekorde bei der Mobilisierung privaten Kapitals meldet, sind ihre Nettoauszahlungen an öffentliche Kreditnehmer sowie an ärmere Länder gesunken. Beim IWF stocken die Reform der Sonderziehungsrechte und eine gerechtere Stimmverteilung. Der Beitrag fragt, ob die Treffen in Bangkok den politischen Willen hervorbringen, aus den Zusagen konkrete Schritte zu machen.
Zivilgesellschaftliche Positionen zu einzelnen Gläubigergruppen der Ukraine
Krieg auf Pump: Seit 2022 wird das Überleben des ukrainischen Staates zu großen Teilen über Kredite finanziert. In einem neuen Papier nimmt erlassjahr.de die Gläubigerstruktur unter die Lupe und zeigt mögliche Positionen und Forderungen zu den einzelnen Gruppen. Das Bündnis schaut sich auch an, wie eine Sonderlösung für die Ukraine aussehen könnte und welche Schlüsse man daraus für die internationale Schuldenarchitektur gesamt ziehen kann.
Besonders gute Schulden: streichen?
In einem neuen Blogbeitrag setzt sich Jürgen Kaiser von erlassjahr.de mit dem Konzept der „virtuous debt“ des US-Juristen Nathan Oman auseinander. Die Grundidee: Wenn eine Kreditvergabe dem Gläubiger erhebliche politische oder strategische Vorteile verschafft, liegt eine Schuldenstreichung im aufgeklärten Eigeninteresse des Geldgebers. Während solche Konstellationen selten sind, zeigt der Blick auf historische Präzedenzfälle – wie die US-Kredite an die Alliierten im Ersten Weltkrieg – und auf heutige Ausnahmefälle wie die Ukraine, wo reine Finanzlogiken an ihre Grenzen stoßen und politischer Mut gefragt ist.
Europäische Handelspolitik im weltwirtschaftlichen Umbruch
Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium
Geopolitische Spannungen, strategische Abhängigkeiten und wirtschaftlicher Zwang stellen die EU vor schwierige Aufgaben In seinem neuen Gutachten empfiehlt der Wissenschaftliche Beirat beim BMWE, den Binnenmarkt zu vertiefen, kritische Abhängigkeiten gezielt zu verringern und Partnerschaften breiter aufzustellen. Zudem schlägt er plurilaterale Resilienzabkommen vor, mit denen Staaten gemeinsam auf wirtschaftlichen Druck reagieren könnten. Eine Reform der WTO bleibt für den Beirat wichtig – ebenso wie die Warnung vor pauschaler Abschottung und „Buy European“-Vorgaben.