Von der Systemkrise zur Gerechtigkeitskrise in der arabischen Welt
Ziad Abdel Samad vom Arab NGO Network for Development argumentiert in diesem Beitrag, dass die Krise des Multilateralismus nicht nur eine Frage technischer Ineffizienz sei, sondern eine Legitimitäts- und Gerechtigkeitskrise. Er verweist auf Doppelstandards im Umgang mit Konflikten, die wachsende Lücke zwischen globalen Zusagen und realen Ergebnissen sowie auf Schulden, Konflikte und eingeschränkten zivilgesellschaftlichen Raum als zentrale Bremsen für Entwicklung in der arabischen Region. Abschließend fordert er, Multilateralismus neu auszurichten: mit mehr Rechenschaft, gerechterer Machtverteilung, Reformen der Finanz- und Handelssysteme und stärkerer Einbindung lokaler Perspektiven.
Spring Meetings 2026 Wrap-up
America First verschärft globale Instabilität durch Krieg gegen Iran
Das Bretton Woods Project fasst in diesem Wrap-up die Frühjahrsversammlungen von IWF und Weltbank zusammen, die vom 13. bis 18. April in Washington stattfanden. Der Artikel kritisiert die unzureichende Reaktion der Institutionen auf die neueste Wirtschaftskrise durch US- und israelischen Krieg gegen Iran, der globale Energie- und Nahrungsmittelpreisschocks verursacht. Hervorgehoben werden fehlerhafte Governance-Strukturen, US-Einfluss auf Klimapolitik, Austeritätsbias des IWF und unkoordinierte Reformen der Weltbank, die Multilateralismus weiter schwächen.
Thematisches Briefing: Internationale Finanzarchitektur
Der CSO FfD Mechanism veröffentlicht dieses thematische Briefing zur Reform der internationalen Finanzarchitektur im Vorfeld des FfD Forums 2026. Es fasst zivilgesellschaftliche Forderungen zusammen, darunter eine UN-geführte Überprüfung von Blended Finance und privater Finanzierung, Regulierung von Ratingagenturen sowie Stärkung der Borrower’s Platform für besseres Schuldenmanagement in Entwicklungsländern. Betont wird die Notwendigkeit, fiskalischen Raum für SDG-Umsetzung zu schaffen und Multilateralismus zu demokratisieren.
Krieg, Hilfekürzungen und Austerität: IWF und Weltbank riskieren Vertiefung der humanitären Krise
Eurodad kritisiert in dieser Reaktion auf die Spring Meetings 2026 die unzureichenden Antworten von IWF und Weltbank auf Krieg, Hilfekürzungen, Schulden und Austerität. Trotz Alarm vor globaler Wirtschaftskrise werden Austeritätsprogramme fortgesetzt, ohne Schuldenmoratorien oder Surcharge-Sperren für Länder wie Pakistan und Ägypten. 65 CSOs fordern dringend Schuldenentlastung, Finanzierung und Governance-Reformen.
Entwicklungsländer gründen die erste „Borrowers’ Platform“ – ein Durchbruch in der globalen Finanzwelt
Die neue Initiative, die während der Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank vorgestellt wurde, ist der erste spezielle Raum für kreditnehmende Länder, um Wissen auszutauschen, Koordinierung zu stärken und eine gemeinsame Stimme in Schuldenfragen zu haben. Die „Borrowers‘ Platform“ (Kreditnehmerplattform) soll den Bedürfnissen der Entwicklungsländer gerecht werden und eine Antwort auf die seit langem bestehende Lücke in der internationalen Finanzarchitektur bieten. Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) übernimmt die Rolle des Sekretariats der Plattform.
Kleine Erfolge, Fortschritte bei Reformen und der digitale Handel als Knackpunkt
Ergebnisse der 14. WTO-Ministerkonferenz
Die Erwartungen an die 14. Ministerkonferenz (MC14) der Welthandelsorganisation (WTO) waren gering. Die Ergebnisse fielen noch magerer aus. Den Mitgliedern gelang es zwar, einige kleine, aber bedeutende Beschlüsse zu verabschieden – insbesondere zur Fortsetzung der Verhandlungen über Fischereisubventionen und zur Verbesserung der Behandlung von Entwicklungsländern im Rahmen der Handelsregeln zu Lebensmittelsicherheit und Produktstandards. Uneinigkeit über die Politik im Bereich des digitalen Handels verhinderte jedoch eine Einigung bei den wichtigen Themen.
Zollbruchstellen im System
Für eine gerechte, inklusive und nachhaltige globale Handelspolitik über die WTO hinaus
Die aktuelle Handelspolitik zeigt den Verfall der „regelbasierten“ Ordnung: Seit Trumps zweiter Amtszeit werden WTO-Prinzipien wie Meistbegünstigung missachtet, der Streitschlichtungsmechanismus blockiert – mit wachsendem Reformdruck zur 14. WTO-Ministerkonferenz in Yaoundé. Aber: Bereits vor dieser Eskalation war das System weder gerecht noch inklusiv, vor allem für Länder des Globalen Südens. Kritik entzündete sich an ungerechten Agrarsubventionen der Industrieländer, TRIPS-bedingten Monopolen auf Saatgut und Medikamente, digitaler Liberalisierung, einseitigen Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie EUDR und CBAM sowie Investor-Staat-Schiedsverfahren. Reformen, die nur den Status Quo Ante Trump wiederherstellen wollen, sind entsprechend zum Scheitern verurteilt.
WeiterlesenGlobale Entwicklungsarchitektur: Szenarien 2030
Wie sieht die Zukunft der globalen Entwicklungszusammenarbeit aus? Zwischen geopolitischer Rivalität, nationalen Eigeninteressen und dem Ruf nach globaler Solidarität bedarf es einer neuen globalen Entwicklungsarchitektur. Fungiert Entwicklungszusammenarbeit dabei künftig vor allem als Instrument politischer Einflussnahme, defensiver Stabilitätspolitik, fragmentierter Kooperation oder echter gemeinschaftlicher Verantwortung? Die aktuelle Ausgabe von „Entwicklungspolitik Kompakt“ stellt vier mögliche Szenarien für die Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2030 vor und zeigt auf welche Chancen und Risiken jeweils damit verbunden sind.
UN: „Nur so stark, wie die Mitglieder es zulassen“
Ob Schuldenreform, Klimaanpassung oder faire Besteuerung: Politische Initiativen und Visionen für die Vereinten Nationen kommen derzeit überwiegend aus dem Globalen Süden, sagt Bodo Ellmers vom Global Policy Forum Europe, einem Partner von Brot für die Welt. Derweil überwiegt bei uns UN-Bashing.
Stärkung des Multilateralismus in turbulenten Zeiten
Strategische Ansatzpunkte für die G20 bei der Reform der WTO
Dieser Policy Brief enthält strategische Empfehlungen für die G20 zur Förderung der Reform der Welthandelsorganisation (WTO) und zur Stärkung des regelbasierten globalen Handelssystems. Die WTO steht vor wachsenden Herausforderungen, darunter stockende Verhandlungen, ein geschwächter Streitbeilegungsmechanismus und Mängel in der Governance. Ungelöste Probleme sind nicht unüberwindbar. Angesichts der unterschiedlichen Interessen der WTO-Mitglieder ist der Aufbau einer breit angelegten Koalition für Reformen zweifellos eine Herausforderung. Die Institution benötigt eine Reihe informeller, aber offener und inklusiver Prozesse, die von potenziellen Lösungen profitieren, die aus früheren multilateralen Initiativen hervorgegangen sind, sowie neue Vorschläge, die das Vertrauen der Mitglieder, insbesondere der Entwicklungsländer und der am wenigsten entwickelten Länder, stärken, und praktische Vorschläge, die den Handel voranbringen. Die G20 mit ihrem Fokus auf Solidarität, Gleichheit und Nachhaltigkeit kann dabei eine führende Rolle übernehmen.