Wie geht es weiter mit der „Borrowers’ Platform”?
Die im April 2026 lancierete „Borrowers’ Platform“ bietet einen neuen Rahmen, um die Art und Weise zu verändern, wie Entwicklungsländer ihre Schuldenprobleme bewältigen. Durch gemeinsames Handeln – mit Unterstützung der UNCTAD als Sekretariat – sollen sie in die Lage versetzt werden, ihre Schuldenprobleme zu lösen. Von entscheidender Bedeutung sind Schuldenneuverhandlungen und der Zugang zu konzessionären Finanzierungen. Ein Schuldenerlass ist für mehrere Länder, die unter einer hohen Schuldenlast leiden, dringend erforderlich, da sich diese in den kommenden Jahren auf ihre Liquidität auswirken wird. Anstelle eines langwierigen, fallbezogenen Verfahrens würde ein Schuldenerlass eine sofortige Entlastung ermöglichen. Die Schuldenrisiken gehen jedoch über kurzfristige Liquiditätsprobleme hinaus, insbesondere nach Jahren systemischer Krisen. Langfristig ist ein Umschuldungsprozess durch einen unabhängigen, zeitnahen, transparenten und umfassenden Mechanismus entscheidend für eine effiziente Schuldenbewältigung.
Besonders gute Schulden: streichen?
In einem neuen Blogbeitrag setzt sich Jürgen Kaiser von erlassjahr.de mit dem Konzept der „virtuous debt“ des US-Juristen Nathan Oman auseinander. Die Grundidee: Wenn eine Kreditvergabe dem Gläubiger erhebliche politische oder strategische Vorteile verschafft, liegt eine Schuldenstreichung im aufgeklärten Eigeninteresse des Geldgebers. Während solche Konstellationen selten sind, zeigt der Blick auf historische Präzedenzfälle – wie die US-Kredite an die Alliierten im Ersten Weltkrieg – und auf heutige Ausnahmefälle wie die Ukraine, wo reine Finanzlogiken an ihre Grenzen stoßen und politischer Mut gefragt ist.
Hauptsache Souverän
Senegal wollte sich aus finanziellen Abhängigkeiten befreien. Die Schuldenkrise zeigt, wie schwer echte Souveränität zu erreichen ist.
Die Erleichterung ist spürbar, die Erwartungen sind immens: Am 1. September 2026 gelang es dem Senegal, mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Vereinbarung auf Mitarbeiterebene über ein neues 36-Monats-Programm von rund 2,2 Milliarden US-Dollar abzuschließen. Nachdem die Regierung bei den Präsidentschaftswahlen 2024 mit einem Transparenzversprechen angetreten war, sah sie sich schnell mit einem unerwartet hohen Schuldenberg konfrontiert.
Sechs Reformen für den gemeinsamen G20-Rahmen zur Schuldenbearbeitung
In diesem Bericht skizzieren Save the Children UK und Debt Justice UK sechs Reformen, die für den gemeinsamen G20-Rahmen zur Schuldenbearbeitung erforderlich sind. Den Finanzministern der G20 wird empfohlen, diesen Rahmen zu billigen. Zudem sollen die G20-Mitglieder – insbesondere das Vereinigte Königreich – sowie der IWF und die Weltbank einseitige und kollektive Maßnahmen ergreifen, um die Vorschläge umzusetzen. Angesichts des wachsenden Konsenses unter den Mitgliedern, den internationalen Institutionen und der Zivilgesellschaft ist es nun an der Zeit zu handeln – und die G20 sind der richtige Ausgangspunkt dafür. Ein Erfolg könnte zu den allgemeinen Voraussetzungen für mehr globale Stabilität beitragen – mit positiven Auswirkungen, die sich bis in die lokalen Gemeinden ausbreiten, sowohl in den G20-Ländern als auch in Nicht-Mitgliedsländern.
Ein menschenrechtsbasierter Ansatz für internationale Investitionsschiedsverfahren im Zusammenhang mit Staatsschulden
Ziel dieser Studie ist es, die vielschichtigen Auswirkungen von Investitionsschiedsverfahren auf Staatsschulden im afrikanischen Kontext zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf Menschenrechtsfragen und der Tragfähigkeit der Verschuldung liegt. Die Studie soll kritisch analysieren, wie ein menschenrechtsbasierter Ansatz in Investitionsschiedsverfahren im Zusammenhang mit Staatsschulden formuliert und umgesetzt werden kann, um potenzielle Missbräuche im Rahmen von Umschuldungen zu mindern.
Der Weg für arme Länder aus der Schuldenfalle
Etwa die Hälfte der einkommensschwachen Länder ist derzeit zahlungsunfähig oder hat ein großes Risiko, zahlungsunfähig zu werden. Was die Weltgemeinschaft dagegen tun muss, erläutert die IDOS-Wissenschaftlerin Kathrin Berensmann in einem Gastbeitrag für FAZ-Premium.
Schottland: „Glasgow Statement on Debt Justice“
Schottland fällt zum wiederholten Male durch progressive Positionen zur globalen Entschuldung auf: Gemeinsam mit Sambia und Malawi hat die schottische Regierung am 23. Juli das „Glasgow Statement on Debt Justice in the Commonwealth“ veröffentlicht. Die Erklärung setzt ein starkes Zeichen Richtung der britischen G20-Präsidentschaft 2027 und knüpft an die Common African Position on Debt an. Kernforderungen unter anderem: verbindliche Anti-Holdout-Gesetzgebung und ein Staateninsolvenzverfahren unter dem Dach der UN (via erlassjahr.de).
Bangladesch fordert UN-Entschuldungsmechanismus
Bangladesch fordert das System der Vereinten Nationen auf, einen „internationalen Mechanismus für Umschuldungen, Schuldenerlasse und Moratorien“ ins Leben zu rufen. Bei einem Treffen mit der UNICEF-Führung in New York betonte Dr. Rashed Al Mahmud Titumir (Finanz- und Planungsberater des Premierministers), dass der aktuelle Schuldendienst den finanziellen Handlungsspielraum des Landes drastisch einschränke. Externe Schocks wie die Nahost-Krise, steigende Energiepreise und Lieferkettenprobleme würden den den Staatshaushalt massiv belasten. Ohne eine nachhaltige Schuldenregelung würden Kürzungen bei essentiellen Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Sozialschutz drohen. Bangladesch plädiert daher ausdrücklich für eine koordinierte, multilaterale Lösung unter dem Dach der UN (via erlassjahr.de).
Afrikas Schuldenkrise: Warum Strukturreformen nicht länger aufgeschoben werden dürfen
Die Schuldenkrise in vielen afrikanischen Ländern hält weiterhin an. Im diesem Interview weist der Ökonom Jason Braganza auf ungelöste strukturelle Ungleichheiten und die zunehmende Schuldenlast hin und kritisiert den Ansatz der G7. Er fordert eine umfassende Reform der globalen Finanzarchitektur sowie eine Umschuldung.
Das Schweigen der G7: Europas blinder Fleck beim Gläubiger-Bailout in der Ukraine
Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Europa und der Ukraine hat erlassjahr.de europäische Regierungsspitzen in einem Brief auf einen sich abzeichnenden Skandal hingewiesen: 4,4 Milliarden US-Dollar fließen bis Mitte 2029 aus der Ukraine an private Gläubiger – indirekt finanziert durch Hilfszahlungen von Partnerstaaten. Auch europäische Steuergelder landen auf Konten von Hedgefonds und Investoren. Unsere Botschaft: Verhindert diesen Bailout privater Gläubiger mit öffentlichen Geldern! Doch seit inzwischen zwei Monaten warten wir vergeblich auf eine Antwort. Während Milliarden an die Ukraine fließen, schauen europäische Regierungen tatenlos zu, wie ein Teil dieser Mittel an private Gläubiger umgeleitet wird. Sie nehmen damit eine massive Umverteilung öffentlicher Gelder zugunsten privater Investoren in Kauf.