Schulden
Von besonderer Bedeutung für die Handlungsfähigkeit von Staaten ist die Staatsverschuldung. Das gilt um so mehr in Folge der großen Krisen der letzten 20 Jahre allein, die Staatshaushalte auf der ganzen Welt enorm belastet haben. Am drängendsten ist aber die Frage, wie staatliche Kreditaufnahme in Zukunft nachhaltig ausgestaltet werden kann bzw. wie sie mit diesem Ziel umgebaut werden muss, für die Länder des Globalen Südens. Unter anderem die Einrichtung eines gleichberechtigten Staatsinsolvenzverfahrens, das auch private Gläubiger mit in die Pflicht nimmt, ist eines der großen Probleme der globalen Governance.
Mauritius: Unruhen im Urlaubsparadies
Weiße Strände, Luxusresorts und jetzt die schwersten Unruhen seit 1999. Auslöser waren eine heftige Dürre mit wochenlangen Wasserrationierungen und steigende Lebenshaltungskosten. Eskaliert ist die Lage, nachdem die Polizei eine junge Frau angeschossen hatte. Brisant auch der Hintergrund: Rund 60 % des Leitungswassers versickern in einem maroden Netz, und für dessen Sanierung fehlt das Geld. Gleichzeitig fährt die Regierung einen vom IWF gelobten Sparkurs. Beim Auslandsschuldendienst sieht der Schuldenreport von erlassjahr.de und Misereor Mauritius derzeit „nur“ mit Belastungsrisiko (via erlassjahr.de).
China fordert Privatgläubiger in die Pflicht zu nehmen
Chinas Vize-Notenbankchef Xuan Changneng hat am 18. Oktober mehr wirksame Beteiligung privater Gläubiger an Umschuldungen gefordert. Konkret will er einen wirksamen Mechanismus, der sicherstellt, dass Private sich vergleichbar beteiligen (via erlassjahr.de).
Öffentliche Investitionen sind haushaltspolitisch verantwortungsvoll
Zwar ist haushaltspolitische Verantwortung das richtige Ziel für jede Regierung, doch lässt sie sich nicht allein anhand von Defizit- und Schuldenzielen angemessen messen. Wer angesichts höherer Schuldenstände Haushaltskürzungen fordert, übersieht die Bedeutung öffentlicher Ausgaben für die langfristige Stärkung der Produktionskapazität der Wirtschaft.
Senegal: Anleger drohen – mit Verlusten, die sie längst eingepreist haben
Gläubiger, die Senegal-Anleihen über 2,2 Mrd. US-Dollar halten, warnen Dakar per Brief: Dakar solle besser keinen Schuldenschnitt beim Nennwert anstreben, dies könne die Verhandlungen erheblich verzögern. Ihre „rote Linie“ steht also, bevor die Gespräche richtig losgehen. Pikant: Senegals Dollar-Anleihen werden längst unter 50 Cent je Dollar gehandelt, der Markt rechnet also ohnehin mit kräftigen Abschlägen. Die Drohung ist schlicht ein Druckmittel, und ein Argument mehr für ein Safe-Harbour-Gesetz (via erlassjahr.de).
Die wahren Kosten der Verschuldung
Hinter der sich verschärfenden Schuldenkrise stehen Milliarden von Menschen, die den Preis dafür zahlen. Dieser Bericht beleuchtet die systemische Krise, die den realen Auswirkungen der Schuldenkrise im Globalen Süden zugrunde liegt.
Eine globale Schuldenkrise zeichnet sich ab
Nach einem Jahrzehnt der Schuldenanhäufung machen sich höhere Zinssätze und ein wachsender Refinanzierungsbedarf bemerkbar. Dadurch ist die Weltwirtschaft zunehmend schutzlos Schocks ausgesetzt. Nun treiben anhaltende Konflikte auch noch die Energiepreise in die Höhe, schüren erneut Inflationsdruck und offenbaren gefährliche Risse in der bestehenden Schuldenarchitektur.
Angesichts von Schulden und Katastrophen benötigt der Globale Süden Wiedergutmachung statt weiterer Kredite
Im Vorfeld der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Bangkok fordern die am stärksten betroffenen Länder eine Befreiung von ihren Schulden und den gescheiterten Rezepten der internationalen Finanzinstitutionen.
Wie geht es weiter mit der „Borrowers’ Platform”?
Die im April 2026 lancierete „Borrowers’ Platform“ bietet einen neuen Rahmen, um die Art und Weise zu verändern, wie Entwicklungsländer ihre Schuldenprobleme bewältigen. Durch gemeinsames Handeln – mit Unterstützung der UNCTAD als Sekretariat – sollen sie in die Lage versetzt werden, ihre Schuldenprobleme zu lösen. Von entscheidender Bedeutung sind Schuldenneuverhandlungen und der Zugang zu konzessionären Finanzierungen. Ein Schuldenerlass ist für mehrere Länder, die unter einer hohen Schuldenlast leiden, dringend erforderlich, da sich diese in den kommenden Jahren auf ihre Liquidität auswirken wird. Anstelle eines langwierigen, fallbezogenen Verfahrens würde ein Schuldenerlass eine sofortige Entlastung ermöglichen. Die Schuldenrisiken gehen jedoch über kurzfristige Liquiditätsprobleme hinaus, insbesondere nach Jahren systemischer Krisen. Langfristig ist ein Umschuldungsprozess durch einen unabhängigen, zeitnahen, transparenten und umfassenden Mechanismus entscheidend für eine effiziente Schuldenbewältigung.
Südafrika verschiebt den Antrag auf Aufnahme in den Pariser Club und wendet sich stattdessen der „Global Borrowers’ Platform“ zu
Dem Pariser Club teilte Südafrika mit, dass es seine Zusammenarbeit als Ad-hoc-Teilnehmer fortsetzen werde, anstatt zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Vollmitgliedschaft anzustreben. Die Regierung hat sich der „Global Borrowers’ Platform“ angeschlossen. Diese beschreibt sich selbst als ein von Schuldnern geführtes Forum zum Wissensaustausch und zur Stärkung ihrer gemeinsamen Stimme. Südafrika bekennt sich weiterhin zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Pariser Club und wird sich auch künftig an Diskussionen über internationale Schuldenfragen beteiligen.
Die „Borrowers’ Platform“ gewinnt im Vorfeld der ersten Sitzung des Verwaltungsrats in Bangkok an Dynamik
Die „Borrowers’ Platform“ erhält neuen Schwung, während sich die Länder auf die erste Sitzung des Verwaltungsrats am 12. Oktober in Bangkok vorbereiten. Bei einer kürzlich bei UNCTAD abgehaltenen Informationsveranstaltung hoben die Teilnehmer die wesentlichen Fortschritte seit dem Start der Plattform hervor und riefen zu einer breiteren Beteiligung auf. Vertreter aus mehr als 30 Ländern nahmen an der Veranstaltung teil, was das wachsende Interesse an der von den Mitgliedstaaten geleiteten und von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative widerspiegelt.