Globale Zusammenarbeit unter Druck – neuer Bericht zur Gestaltung von Reformen
Geopolitische Rivalitäten, Konflikte, autoritärer Nationalismus und die systematische Aushöhlung regelbasierter Politik verändern die Weltordnung und setzen die Zusammenarbeit unter wachsenden Druck. Doch das Bild ist differenzierter: Während disruptive Trends die Schlagzeilen dominieren, nehmen gleichzeitig Reformen Gestalt an. Dies ist die zentrale Botschaft von „Disruption and Reform: Sustainable Futures at Stake? The Case for Politics of Cooperation and Perseverance“, einer neuen Publikation des Deutschen Instituts für Entwicklung und Nachhaltigkeit (IDOS). Auf der Grundlage von Forschung, Politikberatung und Wissenskooperation am IDOS und in seinen Partnernetzwerken untersucht der Band, wo Zusammenarbeit bereits angepasst und neu gestaltet wird – und welche Akteure dazu beitragen können, diese Reformen voranzutreiben.
Auf Augenhöhe
Die neue Nord-Süd-Kommission bietet die Chance für echte Partnerschaft – falls Deutschland und Europa bereit sind, Macht zu teilen.
Die entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission (ENSK) der Bundesregierung wurde am 30. Juni auf der Hamburg Sustainability Conference gegründet. Die von der ehemaligen Präsidentin Costa Ricas Laura Chinchilla und dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz geleitete unabhängige Kommission der Bundesregierung soll bis zum Ende der Legislaturperiode konkrete Vorschläge für neue Partnerschaften zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden erarbeiten.
Regelbasierte Ordnung ja – aber mit welchen Regeln?
Das EU-Mercosur- und ähnliche Freihandelsabkommen sind gerade keine überzeugende Antwort auf die heutigen geopolitischen Zumutungen | Trafopaper #5
Angesichts globaler Krisen setzt die Europäische Union zunehmend auf Freihandelsabkommen mit neuen Partnern. Das EU-Mercosur-Abkommen gilt als ein zentrales Beispiel dieser Strategie. Doch stärkt es tatsächlich Europas politische Handlungsfähigkeit – oder verschärft es bestehende Abhängigkeiten?
WeiterlesenWeggegangen, Platz gefangen
Eine Niederlage im UN-Sicherheitsrat und was sie über den Zustand der deutschen Außenpolitik verrät
Am 3. Juni 2026 hat die UN-Generalversammlung über die Vergabe der nicht-ständigen Sitze im mächtigsten Gremium der Weltorganisation abgestimmt. Deutschland verlor dabei gegen die Mitbewerber aus der Gruppe Westeuropa und restliche Staaten, Österreich und Portugal; ein in dieser Form bisher einmaliger Vorgang. Anders als sonst erfuhr das Abstimmungsergebnis und damit auch die UN ein gewaltiges Medienecho und wurde wahlweise als globales Misstrauensvotum gegenüber der deutschen Außenpolitik insgesamt oder als diplomatischen Missgeschick interpretiert.
Steuergerechtigkeit für soziale Entwicklung
Deutschlands Chance in New York: Wenn im August in New York über globale Steuerregeln verhandelt wird, entscheidet sich mit, ob Länder ihre soziale Entwicklung künftig mit eigenen Ressourcen selbstbestimmt gestalten können – und ob Deutschland glaubwürdiger Partner des Globalen Südens ist.
Perspektivwechsel in der Globalisierung: Versprechen gebrochen
Mit atemberaubendem Tempo treibt die EU-Kommission neue Handelsabkommen voran. Fast noch schneller kommt die Kehrtwende jener, die einst zu den schärfsten Kritiker:innen der Globalisierung gehörten. Gewerkschafter:innen, grüne Politiker:innen und progressive NGOs übernehmen heute Argumente der „geopolitischen Notwendigkeit“. Dabei blenden sie aus, welche ungute Rolle die neoliberale Globalisierung in den vergangenen 30 Jahren gespielt hat. Gerade jetzt wäre der Moment, genauer hinzusehen.
Wie Deutschland seinen Pflegenotstand zum Problem anderer Länder macht
Brot für die Welt veröffentlicht mit dieser Analyse eine Untersuchung zu den Folgen bilateraler Abwerbeabkommen für Gesundheitsfachkräfte aus Brasilien und Kolumbien nach Deutschland. Die Autoren beleuchten den Fachkräftemangel in den Herkunftsländern, wo deutlich weniger Ärztinnen und Pflegekräfte pro Einwohnerin verfügbar sind als in Deutschland, und warnen vor Risiken für lokale Gesundheitssysteme, insbesondere in ländlichen Regionen. Sie fordern ethische Standards, wie die Beteiligung lokaler Akteure, Kompensation von Ausbildungskosten und „Do-no-harm“-Maßnahmen, um Abwerbeketten zu unterbinden
Der Zusammenhang von Handel und Entwicklung
AidWatch Canada veröffentlicht dieses Hintergrundpaper zur Analyse des „Trade-Development Nexus“ bei Global Affairs Canada (GAC). Der Bericht untersucht, wie kanadische Entwicklungshilfe mit Handelsinteressen verknüpft wird, insbesondere in Nigeria. Kritisiert wird die Priorisierung kommerzieller Interessen über Armutsbekämpfung, mit Fokus auf inklusives Wachstum, value chains und private sector engagement. Empfehlungen umfassen bessere Transparenz, Safeguards und Ausrichtung an feministischer Entwicklungspolitik.
Die Welt braucht einen Öl-Einkaufsclub
Während die Welt in eine weitere Energiekrise stürzt, führt die Marktverteilung zu grob ungerechten Ergebnissen, da die Reichen die Armen überbieten. Ein multilateraler Öl-Einkaufsclub ist dringend erforderlich, um eine Preisobergrenze auf den globalen Ölmärkten zu verteidigen und Ressourcen so zu verteilen, dass die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen gedeckt und die wirtschaftlichen Folgen minimiert werden.
Zerfall der Weltordnung
Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des Globalen Südens
Die globale Ordnung steht vor einem historischen Bruch. Während westliche Staaten an überholten Dogmen festhalten und ihre eigenen Regeln zunehmend selektiv auslegen, fordert der Globale Süden Mitsprache und Gerechtigkeit ein. Patrick Kaczmarczyk zeigt in Zerfall der Weltordnung, wie marktliberale Ideologien, neokoloniale Strukturen und massive wirtschaftliche Ungleichgewichte über Jahrzehnte Entwicklung verhinderten – und warum der Frust vieler Länder heute berechtigt ist. Anhand klarer Analysen zu Finanzmärkten, Handelspolitik, Schulden und internationalen Institutionen legt er offen, weshalb das bisherige System ins Wanken geraten ist. Zugleich skizziert er, welche Reformen notwendig wären, um den drohenden Rückfall in internationale Anarchie zu verhindern.