Öffentliche Finanzen, | 7.01.2026

Extreme Vermögen effektiv besteuern

Extreme Vermögenskonzentration und sinkende effektive Steuersätze für Superreiche, bei gleichzeitig steigenden Ausgabenbedarf der öffentlichen Hand, stellen Europas Steuersysteme vor neue Herausforderungen. Die Publikation zeigt anhand aktueller Daten, warum frühere Vermögensteuern kaum die Reichsten trafen und welche Designfehler – wie niedrige Freibeträge oder zahlreiche Ausnahmen – ihre Wirkung untergruben.

Öffentliche Finanzen, | 27.12.2025

Klimafinanzierung: Luxusreisende sollen beitragen

Kaviar und Champagner sind Standard. Um die wertvollsten Kunden zu gewinnen, holt Emirates sie per Chauffeurservice von zuhause ab. Lufthansa bietet ihren bestzahlenden Gästen sogar einen eigenen Terminal in Frankfurt. Die wachsende Zahlungsbereitschaft im Premiumsegment macht dies lohnend – während Geschäftsreisen stagnieren, boomen luxuriöse Urlaubsreisen.

„Die Nachhaltigkeitsziele gehören zum Feindbild“

Rechte Stimmungsmache und antidemokratische Politik greifen um sich, internationale Zusammenarbeit ist so schwierig wie lange nicht. Scheitern die Nachhaltigkeitsziele am Zeitgeist? Imme Scholz, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, hat leitend an der Erarbeitung des letzten Global Sustainable Development Report mitgewirkt. Im Interview mit E+Z spricht sie über den politischen Widerstand und darüber, wie es nun weitergeht.

Systemische Fragen, | 22.12.2025

Argentinien und der IWF: Eine lange Geschichte finanzieller Abhängigkeit und sozialen Widerstands

Die Beziehung Argentiniens zum Internationalen Währungsfonds (IWF) ist eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie die globale Finanzarchitektur im Globalen Süden funktioniert – indem sie politische Auflagen erteilt, Sparmaßnahmen durchsetzt und nationale Prioritäten den Interessen internationaler Gläubiger unterordnet. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts fiel jede Intervention des IWF mit einer raschen Verschuldung, einer tiefen Rezession und einer Verschlechterung der sozialen Lage zusammen. Dabei handelt es sich nicht um vereinzelte Vorfälle oder technische Fehler. Vielmehr zeigt sich ein beständiges historisches Muster: ein wiederkehrender Mechanismus, durch den der IWF die öffentliche Politik gestaltet, ganze Volkswirtschaften umstrukturiert und die nationale Souveränität untergräbt.

Öffentliche Finanzen, | 22.12.2025

Besteuerung als Instrument zur Herstellung des Gleichgewichts

Ein Ausblick auf die Zukunft der Entwicklung und der kommunalen Pflege in Jordanien

Viele Länder des Globalen Südens stehen vor einer Reihe wirtschaftlicher und sozialer Herausforderungen, darunter das Fehlen oder die Schwäche von Steuergerechtigkeitssystemen. In den Industrieländern hingegen ist Steuergerechtigkeit ein grundlegendes Instrument zur Förderung der menschlichen Entwicklung – ein Instrument, das sich nicht nur auf das Wirtschaftswachstum beschränkt, sondern auch das Recht des Einzelnen auf Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung sowie die angemessene Finanzierung und den Ausbau dieser Sektoren umfasst.

Wie geht es weiter mit der Entwicklungsfinanzierung und der Reform der internationalen Finanzarchitektur im Jahr 2026?

Die letzten zwei Jahre glichen einem Marathon von Gipfeltreffen. Insbesondere der Zukunftsgipfel der Vereinten Nationen (UN) im September 2024 und die Internationale Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Sevilla im Juli 2025 haben die Reform der internationalen Finanzarchitektur ganz oben auf die globale Agenda gesetzt. Mit Blick auf das Jahr 2026 dürften sich die politische Debatte und die institutionelle Entwicklung eher fragmentiert über eine Reihe von Foren innerhalb des multilateralen Systems entfalten. Dennoch stehen im nächsten Jahr eine Reihe wichtiger Prozesse an.

Öffentliche Finanzen, | 19.12.2025

Globales Offshore-Vermögen, 2001–2023

In diesem Papier wird eine homogene Zeitreihe des globalen Offshore-Vermögens privater Haushalte für den Zeitraum 2001–2023 erstellt, in dem weltweit umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung der Offshore-Steuerhinterziehung ergriffen wurden. Die Autor:innen stellen Folgendes fest: (i) Das globale Offshore-Vermögen blieb seit 2001 als Anteil am globalen BIP weitgehend stabil, nachdem es in den 1980er und 1990er Jahren stark angestiegen war; (ii) der Standort des Offshore-Vermögens hat sich deutlich verändert, wobei der Anteil der Schweiz zurückgegangen ist und der Anteil asiatischer Finanzzentren, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten gestiegen ist; und (iii) ein wachsender Anteil stammt aus Entwicklungsländern.

Private Finanzierung, | 18.12.2025

Asklepios: Private Kliniken fürs Gemeinwohl?

Vor 40 Jahren begann die Krankenhausprivatisierung in Deutschland. Ebenfalls vor 40 Jahren legte Bernard große Broermann den Grundstein für den privaten Krankenhauskonzern Asklepios. Bei seinem Tod im Jahr 2024 hinterließ er seinen Kindern laut Manager Magazin ein Vermögen von drei Milliarden Euro. Seit der Privatisierung hat sich die Zahl der Krankenhäuser und verfügbaren Betten fast halbiert, die Kosten sind inflationsbereinigt trotzdem um 70 Prozent gestiegen und damit schneller gewachsen als die Wirtschaft insgesamt. Auch deswegen werden 2026 die Krankenkassenbeiträge voraussichtlich weiter steigen. Aber statt die Kosten gezielt zu senken, verteilt die Bundesregierung vier Milliarden Euro aus dem Sondervermögen mit der Gießkanne an alle Krankenhäuser. »Anstatt planlos Geldgeschenke zu verteilen«, fordert beispielsweise der Verband der Ersatzkassen, Finanzhilfen nur an solche Einrichtungen zu verteilen, »deren Förderung im Gemeinwohlinteresse liegt«. Gilt das auch für die Asklepios-Kliniken der Familie Große Broermann?

Die politische Ökonomie der Entwicklungszusammenarbeit: eine Literaturübersicht

Entwicklungszusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des internationalen Wirtschaftsaustauschs und seit jeher ein zentrales Thema in der Forschung zu internationalen Beziehungen (IR). Dieses Phänomen wirft grundlegende Fragen hinsichtlich der Motive hinter der Zuweisung von Ressourcen durch Staaten über ihre nationalen Grenzen hinaus und der Prozesse auf, durch die die Präferenzen der Geber im Zusammenspiel von Macht, Interessen und Ideen geprägt werden. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die vorhandene Literatur, einschließlich relevanter Debatten, und stellt bedeutende Fortschritte auf dem Gebiet der internationalen politischen Ökonomie der Hilfe vor. Er hebt auch hervor, wie die jüngsten geopolitischen Veränderungen das herkömmliche Verständnis von Hilfe in Frage stellen, und schließt mit dem Vorschlag, die klassische Frage für die zukünftige Forschung umzukehren – von der Frage, warum Staaten Hilfe leisten, zu der Frage, warum sie zunehmend zögern, dies zu tun.

Systemische Fragen, | 17.12.2025

„Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“

Der Bericht des ersten G20-Expert:innenkomitees zu Ungleichheit

Oberstes Ziel der Nachhaltigen Entwicklungsagenda ist die Bekämpfung und Überwindung extremer Armut weltweit. Doch auch extremer Reichtum rückt immer stärker in den Fokus. Denn Wirtschaftswachstum als vielbeschworenes Mittel der Armutsbekämpfung greift zu kurz, weil der sogenannte Trickle-Down-Effekt, nach dem der Reichtum von oben nach unten durchsickert, in der Praxis selten eintritt. Das globale Vermögen konzentriert sich immer stärker am oberen Ende der Verteilungsskala. Im Rahmen seiner G20-Präsidentschaft hat der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa deshalb ein internationales Komitee unabhängiger Expert:innen damit beauftragt, eine Analyse der globalen Ungleichheit inklusive Empfehlungen zu ihrer Bekämpfung vorzulegen. Die Ergebnisse des Berichts, der unter der Federführung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz erarbeitet wurde, sind alarmierend.

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