Weniger öffentliche Mittel, mehr privater Einfluss
Wer bestimmt die globale Gesundheitspolitik?
Karolin Seitz und Julia Hanne argumentieren, dass die globale Gesundheitspolitik unter massivem Druck steht, weil öffentliche Mittel gekürzt werden und private Akteure die Lücken füllen sollen. Sie beschreiben, wie blended finance, öffentlich-private Partnerschaften, Patente und Lobbyismus den Zugang zu Medikamenten, politische Prioritäten und die Koordination im Gesundheitssystem beeinflussen können. Sie fordern deshalb stärkere öffentliche Finanzierung, klare Regeln für private Beteiligung und eine robustere Rolle der WHO.
FfD-Forum 2026: Fortschritt oder Stillstand?
GPF Europe bewertet in diesem Briefing den das Financing for Development-Forum 2026 und fragt, ob daraus tatsächliche Reformen oder nur politische Selbstvergewisserung hervorgehen. Im Mittelpunkt stehen die Umsetzung der Sevilla-Beschlüsse, die Reform der internationalen Finanzarchitektur, der Umgang mit der SDG-Finanzierungslücke sowie die Frage, ob private Finanzierung und Bretton-Woods-Institutionen die versprochenen Ergebnisse liefern. Das Briefing macht deutlich, dass ohne konkrete Schritte bei Schulden, Steuerfragen und öffentlicher Finanzierung eher Stillstand als Fortschritt drohe.
Während die öffentliche Entwicklungshilfe einbricht, kommen Alternativen nur schleppend voran
Die öffentliche Entwicklungshilfe bricht in beispiellosem Tempo ein. Neue Daten der OECD zeigen für 2025 einen Rückgang um 23,1 Prozent – den größten jährlichen Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen –, der vor allem auf drastische Kürzungen seitens der Vereinigten Staaten zurückzuführen ist. Insgesamt haben 26 von 34 DAC-Mitgliedern ihre Hilfe reduziert. Gleichzeitig deuten neue Analysen der Vereinten Nationen darauf hin, dass andere Quellen der Entwicklungsfinanzierung nicht schnell genug nachrücken. Privates Kapital bleibt aufgrund hoher Kreditkosten weitgehend unzugänglich, während die Mobilisierung inländischer Ressourcen nur langsam vorankommt. Trotz der politischen Verpflichtungen, die auf der Vierten Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung (FfD4) in Sevilla eingegangen wurden, ist die Umsetzung in Schlüsselbereichen nach wie vor begrenzt.
Frauenrechte unter Druck
Digitale Gewalt im Fokus der CSW70
Frauenrechte stehen weltweit unter zunehmendem Druck. Gleichstellung der Geschlechter und sexuelle und reproduktive Rechte werden längst nicht mehr nur von radikalen Gruppierungen am Rande der Gesellschaft attackiert – rechtspopulistische Regierungen, und allen voran die USA, geben ihnen prominente Rückendeckung. Gleichzeitig verschärfen digitale Technologien neue Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Vor diesem Hintergrund trafen sich vom 9. bis 19. März 2026 in New York tausende Staatenvertreter:innen und zivilgesellschaftliche Organisationen zur 70. Sitzung der UN Frauenrechtskommission (CSW70), dem weltweit größten Forum für Frauenrechte.
Globale Steuerregeln am Wendepunkt?
Vier Erkenntnisse aus der vierten Runde der UN-Steuerkonventionsverhandlungen
Die vierte Verhandlungsrunde über ein UN-Rahmenübereinkommen zum Thema Steuern fand vom 2. bis 13. Februar 2026 in New York statt. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Festlegung gemeinsamer internationaler Regeln zur Verbesserung der Besteuerung multinationaler Unternehmen und extremen Reichtums im Einklang mit nachhaltiger Entwicklung und Menschenrechten. Neben dem Übereinkommenstext selbst wurden zwei Protokolle diskutiert: eines zur Besteuerung grenzüberschreitender Dienstleistungen und eines zur Vermeidung und Beilegung von Steuerstreitigkeiten.
Wie sich die Finanzierungskrise der Vereinten Nationen im Jahr 2026 verschärfen wird
Nur 51 UN-Mitgliedstaaten haben pünktlich gezahlt, 142 nicht
Ende Januar schickte der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), António Guterres, einen dramatischen Brief an die UN-Mitgliedstaaten, in dem er vor dem „bevorstehenden finanziellen Zusammenbruch” der Organisation der Vereinten Nationen warnte. Der Brief folgte auf frühere Warnungen, dass das UN-Sekretariat die Ausgaben aus dem regulären Haushalt im Jahr 2026 möglicherweise um 15 Prozent kürzen müsse. Dies würde eine Reduzierung der Belegschaft um etwa 2.600 Mitarbeiter bedeuten.
Wie geht es weiter mit der Entwicklungsfinanzierung und der Reform der internationalen Finanzarchitektur im Jahr 2026?
Die letzten zwei Jahre glichen einem Marathon von Gipfeltreffen. Insbesondere der Zukunftsgipfel der Vereinten Nationen (UN) im September 2024 und die Internationale Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Sevilla im Juli 2025 haben die Reform der internationalen Finanzarchitektur ganz oben auf die globale Agenda gesetzt. Mit Blick auf das Jahr 2026 dürften sich die politische Debatte und die institutionelle Entwicklung eher fragmentiert über eine Reihe von Foren innerhalb des multilateralen Systems entfalten. Dennoch stehen im nächsten Jahr eine Reihe wichtiger Prozesse an.
„Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“
Der Bericht des ersten G20-Expert:innenkomitees zu Ungleichheit
Oberstes Ziel der Nachhaltigen Entwicklungsagenda ist die Bekämpfung und Überwindung extremer Armut weltweit. Doch auch extremer Reichtum rückt immer stärker in den Fokus. Denn Wirtschaftswachstum als vielbeschworenes Mittel der Armutsbekämpfung greift zu kurz, weil der sogenannte Trickle-Down-Effekt, nach dem der Reichtum von oben nach unten durchsickert, in der Praxis selten eintritt. Das globale Vermögen konzentriert sich immer stärker am oberen Ende der Verteilungsskala. Im Rahmen seiner G20-Präsidentschaft hat der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa deshalb ein internationales Komitee unabhängiger Expert:innen damit beauftragt, eine Analyse der globalen Ungleichheit inklusive Empfehlungen zu ihrer Bekämpfung vorzulegen. Die Ergebnisse des Berichts, der unter der Federführung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz erarbeitet wurde, sind alarmierend.
Soziale Entwicklung nach dem Zweiten Weltsozialgipfel in Doha 2025
Von Versprechen zur Umsetzung
Beim Zweiten Weltsozialgipfel der Vereinten Nationen in Doha im November 2025 wurde deutlich, dass die Weltgemeinschaft weit davon entfernt ist, die Ziele nachhaltiger Entwicklung zu erreichen und daher dringend von Versprechen zur tatsächlichen Umsetzung kommen muss. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass soziale Entwicklung in enger Verbindung mit globalen Krisen steht. Ohne umfassende soziale Sicherungssysteme kann weder wirksamer Klimaschutz noch Friedenssicherung oder eine nachhaltige wirtschaftliche Transformation gelingen.
COP der Wahrheit?
Die Klimakonferenz COP30 in Belém zwischen gebrochenen Versprechen und neuen Allianzen
Die 30. UN-Klimakonferenz (COP30) im brasilianischen Belé sollte zehn Jahre nach Paris ein Wendepunkt sein – eine „COP der Umsetzung und der Wahrheit“, wie die brasilianische Präsidentschaft versprach. Im Zentrum stand eine Roadmap zur Abkehr von fossilen Energien, die Operationalisierung von Just Transition, neue Indikatoren für Klimaanpassung sowie die Aufstockung von Klimafinanzierung.