Systemische Fragen, | 3.06.2026

Analyse: Too Big To (Stable)Coin

Warum Big-Tech-Stablecoins Europas monetäre Souveränität gefährden

Big Tech wie Amazon oder Meta wollen mit eigenen Stablecoins weiter in den Finanzektor eindringen. Eine neue Analyse von Finanzwende Recherche zeigt: Mit solchen Big-Tech-Stablecoins riskieren wir den fairen Wettbewerb, die Finanzstabilität und die monetäre Souveränität Europas. Aber die Analyse von Finanzwende Recherche zeigt auch: Die EU kann dagegen vorgehen. Mit einem Verbot von Big-Tech-Stablecoins und der Einführung des digitalen Euros kann die EU uns vor den Risiken aus privatem Big-Tech-Geld schützen.

90 Prozent-Finanzierungslücke muss Thema der Bonner Klima-Gespräche werden

Reiche Länder verfehlen laut OECD-Zahlen absehbaren Finanzbedarf für Anpassung

Vor Beginn der Bonner Klimagespräche zeigen neue OECD-Zahlen, dass die Geberländer 2024 nur rund 32 Milliarden US-Dollar zur Anpassung an den Klimawandel in einkommensschwachen Ländern bereitgestellt haben – der Bedarf wird bis 2035 jedoch auf jährlich bis zu 365 Milliarden US-Dollar ansteigen. Diese Finanzierungslücke muss Thema der anstehenden Bonner Klima-Gespräche werden.

Systemische Fragen, | 3.06.2026

Leitlinien für die Fusionskontrolle: Spannender Austausch in Brüssel

Derzeit werden die EU-Leitlinien zur Prüfung von Fusionen überarbeitet. Den Prozess dazu begleitet Rebalance Now von Beginn an. Das Ergebnis ist entscheidend dafür, wie viel Marktkonzentration künftig in Europa zugelassen wird. Am 30. April 2026 hatte die Europäische Kommission den Entwurf der überarbeiten Version der Leitlinien veröffentlicht.

Private Finanzierung, | 29.05.2026

Berufung gegen Urteil zur EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzierungen eingelegt

Die gerichtliche Auseinandersetzung um die EU-Vorschriften für „grüne Investitionen“ in der Taxonomie für nachhaltige Finanzierungen geht in die nächste Runde. Eine Gruppe von Nichtregierungsorganisationen aus mehreren EU-Ländern, darunter ROBIN WOOD, hat beim höchsten europäischen Gericht Berufung gegen eine Entscheidung der Vorinstanz eingelegt. Die NGOs argumentieren, dass die aktuellen Vorschriften in der Taxonomie ein „Greenwashing“ von Forst- und Bioenergieprojekten ermöglichen, die die Klimakrise weiter anheizen. Die am 28. Mai 2026 eingereichte Berufung zielt darauf ab, ein Urteil des EU-Gerichts vom 18. März 2026 aufzuheben. Die Klage war ursprünglich im Februar 2022 eingereicht worden.

Internationale Entwicklungszusammenarbeit und die sich abzeichnende Weltordnung

Etwas mehr als ein Jahr nach Beginn der Ära „Trump 2.0“ neigt sich die internationale Ordnung der „Nachkriegszeit“ ihrem Ende zu. Angesichts zunehmender Instabilität und Konflikte sind Form und Charakter der Ordnung, die an ihre Stelle treten wird, gefährlich unklar. Ein neues Discussion Paper, koordiniert von Dr. Mark Furness und Dr. Niels Keijzer, vereint 14 Beiträge von rund zwanzig IDOS-Expert*innen, die sich auf umfassende regionale und thematische Fachkenntnisse stützen, um diese Fragen zu untersuchen. Jeder Beitrag analysiert die Auswirkungen der sich wandelnden Weltordnung auf seinen jeweiligen Schwerpunktbereich und untersucht, wie internationale Zusammenarbeit im Allgemeinen – und Entwicklungszusammenarbeit im Besonderen – zu einem gerechteren und nachhaltigeren internationalen System beitragen kann.

Systemische Fragen, | 28.05.2026

Gott gegen Google

Der Papst hat die vielleicht wichtigste politische Frage zur Künstlichen Intelligenz gestellt: Wer kontrolliert die digitale Ordnung der Zukunft – und wem dient sie? Während europäische Regierungen die KI-Debatte meist technokratisch oder wirtschaftspolitisch führen, formuliert Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika eine grundlegende Kritik an Machtkonzentration, Datenkontrolle und digitaler Ungleichheit. Damit füllt er eine Leerstelle, die die demokratische Politik bislang offenlässt.

Handel, | 28.05.2026

EU-US-Zolldeal: Warum das Europaparlament den Zolldeal mit Trump ablehnen muss

„Das Europaparlament (EP) sollte dem im Trilog mit der Kommission und dem Rat erzielten Kompromiss zur Umsetzung des EU-Zolldeals mit den USA aus mehreren Gründen die Zustimmung versagen“, schreibt Thomas Fritz von Powershift in einem neuen Briefing. Argumente liefert er natürlich mit.

Private Finanzierung, | 27.05.2026

Green Finance – Beyond Transparency

Warum mehr Informationen allein nicht zur grünen Transformation führen

Sören Hilbrich und Kathrin Berensmann vom IDOS argumentieren, dass politische Maßnahmen für grüne Finanzmärkte bisher zu stark auf Transparenz gesetzt haben – etwa durch Berichtspflichten, Taxonomien und Standards. Diese sind wichtig, aber allein nicht ausreichend, um Finanzmärkte von Treiber der Umweltkrise zu Werkzeug der grünen Transformation. Der Policy Brief zeigt, dass viele Investitionen in grüne Projekte für private Marktteilnehmer zu wenig Rendite oder zu riskant sind und deshalb durch öffentliche Investitionen, öffentliches Steering und gezielte politische Instrumente ergänzt werden müssen. Vorgeschlagen wird ein umfassender Policy Mix mit Kreditzielen, grünen Refinanzierungsprogrammen, differenzierten Kapitalanforderungen und steuerlichen Anreizen, ergänzt durch internationale Foren wie NGFS und SBFN für länderübergreifende Koordination.

Öffentliche Finanzen, | 27.05.2026

Kalifornien greift durch

Worldwide Combined Reporting soll Profit-Shifting von multinationalen Unternehmen stoppen

Kalifornien beendet mit dem Gesetzesvorschlag AB 1790 die Option „water’s edge“ und verpflichtet Unternehmen zur „Worldwide Combined Reporting“ (WWCR). Damit werden multinationale Unternehmen nicht mehr nur auf Basis ihrer US-Profitansätze besteuert, sondern auf Basis ihres globalen Gesamtgewinns, wobei Kalifornien den Anteil besteuert, der dem Anteil der wirtschaftlichen Aktivität im Staat entspricht (z. B. Beschäftigung, Umsatz, Vermögenswerte).

Schulden, | 27.05.2026

Common Framework: Neues MoU-Template zementiert harte Gläubiger-Interessen

Das US-Finanzministerium hat im Rahmen seiner G20-Präsidentschaft überraschend eine Mustervorlage für die bilateralen Absichtserklärungen (MoU) bei Verhandlungen unter dem Common Framework veröffentlicht. Leider bietet es eine herbe Enttäuschung. Es bringt den Schuldnerstaaten kaum Klarheit und verschiebt die Macht weiter in Richtung Gläubiger. Das Template untermauert auch noch einmal, dass im Common Framework keine richtigen Schuldenschnitte möglich gemacht werden, es werden lediglich drei mickrige Optionen bei den Zinssätzen angeboten. Auch bei den ewigen Baustellen – wie der Definition von comparability of treatment – bleibt alles beim unbefriedigenden Alten. Kurz gesagt: Außen hui, innen ein Instrument zur Gläubiger-Bevorzugung (via erlassjahr.de).

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