Schulden
Von besonderer Bedeutung für die Handlungsfähigkeit von Staaten ist die Staatsverschuldung. Das gilt um so mehr in Folge der großen Krisen der letzten 20 Jahre allein, die Staatshaushalte auf der ganzen Welt enorm belastet haben. Am drängendsten ist aber die Frage, wie staatliche Kreditaufnahme in Zukunft nachhaltig ausgestaltet werden kann bzw. wie sie mit diesem Ziel umgebaut werden muss, für die Länder des Globalen Südens. Unter anderem die Einrichtung eines gleichberechtigten Staatsinsolvenzverfahrens, das auch private Gläubiger mit in die Pflicht nimmt, ist eines der großen Probleme der globalen Governance.
Zyklon in Sri Lanka: Zivilgesellschaft fordert Schulden- und Klimagerechtigkeit
Ende November wurde Sri Lanka durch den Zyklon Ditwah schwer verwüstet. Ersten Berichten zufolge kamen Hunderte Menschen ums Leben oder werden noch vermisst, Tausende wurden obdachlos, und Häuser, Infrastruktur sowie Lebensgrundlagen wurden stark beschädigt. Vor diesem Hintergrund initiierte Yukthi, ein pluralistisches Forschungsforum, das Arbeiterbewegungen unterstützt und sich für Demokratie und Gerechtigkeit in Sri Lanka einsetzt, einen Aufruf für Schulden- und Klimagerechtigkeit. Dem Aufruf schlossen sich 70 zivilgesellschaftliche Kollektive und Aktivist*innen aus Sri Lanka an. Hintergrund ist auch die schwere Schuldenkrise des Landes.
Der Einfluss des IWF und der Weltbank auf die MENA-Region
Die Region Naher Osten und Nordafrika (MENA) tritt in eine neue Phase der Schuldenabhängigkeit ein, die ihre politische, soziale und wirtschaftliche Landschaft neu gestaltet. Ein neues Hintergrundpapier deckt auf, wie arabische Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zunehmend vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank abhängig geworden sind – nicht nur in Bezug auf die Finanzierung, sondern auch in einer Weise, die es diesen Institutionen ermöglicht, weitreichende Bedingungen für die nationale Politikgestaltung aufzuerlegen.
„Vergessen Sie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nicht!“
Attiya Waris erklärt, wie sie als unabhängige UNO-Expertin die Schuldenfrage und die Steuerpolitik mit den Menschenrechten verknüpft und warum die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel völlig unterschätzt wird. Interview von Dominik Gross, alliance sud.
Weltbank: Internationaler Schuldenbericht 2025
In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) zeichnet sich ein Paradoxon ab. Die Inflation geht zurück und die hohen Zinssätze der letzten Jahre sinken endlich, was eine gewisse Erleichterung bringt. Die Emissionen von Anleihen auf dem internationalen Markt kehren allmählich zurück – zu nachhaltigeren Preisen – und versorgen die Länder mit dringend benötigten Finanzmitteln, die dazu beitragen, das Ausfallrisiko zu verringern und die fiskalischen Belastungen vorübergehend zu mildern. Für die meisten LMICs ist dies jedoch nur ein schwacher Trost – und bei weitem nicht ausreichend, um die tiefgreifenden Rückschläge dieses Jahrzehnts auszugleichen. Schließlich zahlten die LMICs zwischen 2022 und 2024 741 Milliarden US-Dollar mehr an Kapital und Zinsen für ihre Auslandsschulden, als sie an neuen Finanzmitteln erhielten – der höchste Betrag seit mindestens 50 Jahren.
Die Schulden der anderen machen Schweizer Schuldenbremse auch nicht nötiger
Anfang Dezember herrscht hör- und lesbar Nervosität, ob die nächste Finanzkrise schon um die Ecke guckt. Ein Grund sind die hohen Schulden gewisser Länder. Daraus werden in der Schweiz neue falsche Argumente für die Schuldenbremse gedrechselt.
Diplomatische Erklärungen zu Schulden und Entwicklung
Die verpasste Chance der G20 bei den Schuldenreformen Afrikas
Der erste G20-Gipfel auf afrikanischem Boden wird in Erinnerung bleiben, weil er der Diplomatie Vorrang vor der Schulden- und Entwicklungskrise Afrikas eingeräumt hat. Obwohl die G20-Präsidentschaft Südafrikas in einer für den Multilateralismus schwierigen Zeit stattfand, gab es im Laufe des Jahres kaum nennenswerte positive Veränderungen, um die sich verschärfende Schuldenkrise vieler afrikanischer Länder anzugehen. Diese Situation, die das Ausmaß einer Notlage hat, wurde in der Erklärung deutlich abgeschwächt.
Die G20 hat in Sachen Schulden versagt. Zeit, sich an die UN zu wenden
Als Südafrika den Vorsitz der G20 übernahm, stand die Tragfähigkeit der Verschuldung im Mittelpunkt, verbunden mit dem Versprechen, eine Kapitalkostenkommission einzurichten. Viele hofften, dass die G20 unter der Führung eines afrikanischen Landes endlich echte Lösungen für die Schuldenkrise finden würde, die den Globalen Süden – insbesondere Afrika – erfasst hat. Ein Jahr später ging die südafrikanische Präsidentschaft zu Ende, und nichts hat sich grundlegend geändert. Die G20 hat erneut versagt, und es ist an der Zeit, sich anderweitig nach echten Lösungen umzusehen.
Schuldenfinanzierte Entwicklung in Afrika: Eine Torheit, die echten Fortschritt behindert
Afrikanische Länder müssen einen Paradigmenwechsel vollziehen, weg von schuldenfinanzierten Mega-Infrastrukturprojekten hin zu Investitionen in soziale Sektoren, um eine nachhaltige, faire und weniger schuldenabhängige Wachstumsstrategie zu entwickeln.
Schulden und Klimagerechtigkeit
Strategisches Engagement in den UNFCCC-Prozessen bei der COP30
Die globale Schuldenkrise gehört zu den größten Hindernissen für wirksamen Klimaschutz. Das betont das neue Briefing der „Debt and Climate Working Group“ (Arbeitsgruppe zu Schulden und Klima), einem Zusammenschluss internationaler Klima- und Entschuldungsaktivist*innen, der vom britischen Entschuldungsbündnis Debt Justice UK koordiniert wird. Es erscheint anlässlich der bevorstehenden Weltklimakonferenz COP30 in Belém, die vom 10. bis 21. November 2025 im Rahmen der UNFCCC (UN-Klimarahmenkonvention) stattfindet. Viele Länder des Globalen Südens können aufgrund ihrer hohen Schuldenlast keine ausreichenden Mittel für Klimaschutz, Anpassung und den gerechten Übergang bereitstellen. Ressourcen, die eigentlich für öffentliche Aufgaben benötigt würden, fließen in den Schuldendienst.
Falsche und ablenkende Finanzlösungen: Kurzinformationen zu Schulden und Klima
Die Schulden- und Klimakrise sind eng miteinander verbunden – doch falsche „Lösungen“ bergen die Gefahr, dass sie von den tiefgreifenden Veränderungen ablenken, diese verzögern und letztendlich verhindern, die zu ihrer Bewältigung notwendig sind. Diese Miniserie liefert Ihnen Fakten, Argumente und Instrumente, um echte, dauerhafte Lösungen für die Schulden- und Klimakrise voranzutreiben.