Öffentliche Finanzen
Der Wandel hin zu nachhaltigen Gesellschaften erfordert Investitionen – nicht zuletzt auch der öffentlichen Hand. Diese Investitionen können auf unterschiedliche Art und Weise finanziert werden: über Schulden, Steuern, oder durch die Abwälzung auf Dritte, bspw. private Akteure. Welche Art man wählt, ist dabei mitnichten neutral. Schulden müssen zurückgezahlt werden, Steuern dienen nicht nur der Einnahmengenerierung, sondern zugleich der Umverteilung, der Verhaltenssteuerung, und der Stärkung demokratischer Repräsentanz; und private Akteure werden nur dort investieren, wo sie eine Rendite erwirtschaften können (auch wenn die nicht immer monetär sein muss). Auch wie das Geld ausgegeben wird – bspw. anhand menschenrechtlicher Kriterien – ist von Bedeutung.
All das gilt sowohl für Deutschland als auch für globale Zusammenhänge. Wer sich mit öffentlichen Finanzen beschäftigt, muss sich also zwangsläufig kümmern um Steuersysteme, Steuervermeidung und -hinterziehung, um Gender- und Human Rights Budgeting, die Transparenz von Finanzflüssen und Unternehmenskonstrukten, um die internationale Zusammenarbeit von Steuerbehörden, um Rechnungsprüfungsinstitutionen, um soziale Sicherungssysteme und umweltschädliche Subventionen und um vieles weitere mehr…
Repurposing von Subventionen
Staatliche Begünstigungen auf Klimaschutz und Wohlstand ausrichten
Trotz politischer Zusagen und großen öffentlichen Finanzbedarfen für die Transformation stagniert die Reform klimaschädlicher Subventionen in Deutschland. Der FÖS-Policy Brief zeigt, wie die Reform von Subventionen nicht nur ökologisch, sondern auch fiskalisch sinnvoll gestaltet werden kann. Ein Reformpaket für acht Subventionen mit einem jährlichen Umfang von derzeit rund 35 Mrd. Euro zeigt, wie die Mittel besser eingesetzt werden können. Durch Umwidmen im selben Empfängerkreis in den Bereichen Energie und Industrie, Verkehr und Landwirtschaft werden Fehlanreize abgebaut und die Subventionen sinnvoll für Umwelt- und Klimaschutz eingesetzt. Das Ergebnis ist eine effizientere Finanzpolitik für eine nachhaltige Zukunft. Der Staatshaushalt wird entlastet und für den Klimaschutz sind Einsparungen in einer Größenordnung von 6,5 bis 11,8 Mio. t CO₂-Äquivalenten pro Jahr zu erwarten.
Einknicken der OECD wird Steuerausfälle durch US-Unternehmen zementieren
Die OECD hat am 5. Januar das von den Mitgliedsländern ausgehandelte „Side-by-Side-System” bekannt gegeben, das die USA von der Steuerreform der OECD im Rahmen der sog. „Säule 2″ ausnimmt – besser bekannt als Global Mindeststeuer. Das Taxjustice Network bewertet das folgendermaßen: „Die OECD-Länder, darunter die EU-Länder und das Vereinigte Königreich, haben gerade ihr souveränes Recht, Unternehmen zu besteuern, die innerhalb ihrer eigenen Grenzen tätig sind, an Donald Trump abgetreten. Dies ist eine alarmierende Unterwerfung der staatlichen Souveränität – und dennoch wird es als bahnbrechendes Steuerabkommen dargestellt.“ Nach Einschätzung des Tax Justice Network verliert beispielsweise Frankreich schon jetzt 14 Milliarden Dollar pro Jahr durch Steuervermeidung US-amerikanischer Unternehmen, Deutschland 16 Milliarden Dollar und das Vereinigte Königreich 9 Milliarden.
Klimafinanzierung: Luxusreisende sollen beitragen
Kaviar und Champagner sind Standard. Um die wertvollsten Kunden zu gewinnen, holt Emirates sie per Chauffeurservice von zuhause ab. Lufthansa bietet ihren bestzahlenden Gästen sogar einen eigenen Terminal in Frankfurt. Die wachsende Zahlungsbereitschaft im Premiumsegment macht dies lohnend – während Geschäftsreisen stagnieren, boomen luxuriöse Urlaubsreisen.
Besteuerung als Instrument zur Herstellung des Gleichgewichts
Ein Ausblick auf die Zukunft der Entwicklung und der kommunalen Pflege in Jordanien
Viele Länder des Globalen Südens stehen vor einer Reihe wirtschaftlicher und sozialer Herausforderungen, darunter das Fehlen oder die Schwäche von Steuergerechtigkeitssystemen. In den Industrieländern hingegen ist Steuergerechtigkeit ein grundlegendes Instrument zur Förderung der menschlichen Entwicklung – ein Instrument, das sich nicht nur auf das Wirtschaftswachstum beschränkt, sondern auch das Recht des Einzelnen auf Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung sowie die angemessene Finanzierung und den Ausbau dieser Sektoren umfasst.
„Deshalb leisten sie so heftigen Widerstand“
Ökonom Gabriel Zucman über eine Vermögenssteuer von zwei Prozent, das Problem mit der Erbschaftssteuer und den Kampf um die öffentliche Meinung.
Wirksamkeit von Steuervergünstigungen: Leitbericht des Tax Expenditures Lab
Steuervergünstigungen (Tax Expenditures, TEs) – d. h. Abweichungen von einem Referenzsteuersystem, die die Steuerlast bestimmter Gruppen, Wirtschaftssektoren oder Aktivitäten senken – können wirksame Instrumente zur Förderung öffentlicher Politik sein. Ihre Wirksamkeit wird jedoch oft angezweifelt. Der vorliegende Bericht erörtert die Determinanten und untersucht die empirischen Belege für die Wirksamkeit von Steuervergünstigungen.
Globales Offshore-Vermögen, 2001–2023
In diesem Papier wird eine homogene Zeitreihe des globalen Offshore-Vermögens privater Haushalte für den Zeitraum 2001–2023 erstellt, in dem weltweit umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung der Offshore-Steuerhinterziehung ergriffen wurden. Die Autor:innen stellen Folgendes fest: (i) Das globale Offshore-Vermögen blieb seit 2001 als Anteil am globalen BIP weitgehend stabil, nachdem es in den 1980er und 1990er Jahren stark angestiegen war; (ii) der Standort des Offshore-Vermögens hat sich deutlich verändert, wobei der Anteil der Schweiz zurückgegangen ist und der Anteil asiatischer Finanzzentren, des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten gestiegen ist; und (iii) ein wachsender Anteil stammt aus Entwicklungsländern.
Soziale Entwicklung nach dem Zweiten Weltsozialgipfel in Doha 2025
Von Versprechen zur Umsetzung
Beim Zweiten Weltsozialgipfel der Vereinten Nationen in Doha im November 2025 wurde deutlich, dass die Weltgemeinschaft weit davon entfernt ist, die Ziele nachhaltiger Entwicklung zu erreichen und daher dringend von Versprechen zur tatsächlichen Umsetzung kommen muss. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass soziale Entwicklung in enger Verbindung mit globalen Krisen steht. Ohne umfassende soziale Sicherungssysteme kann weder wirksamer Klimaschutz noch Friedenssicherung oder eine nachhaltige wirtschaftliche Transformation gelingen.
World Inequality Report 2026
Das Ziel des Weltungleichheitsberichts 2026 ist es, die neuesten und umfassendsten Daten zur Ungleichheit zu präsentieren, um die demokratische Debatte weltweit zu informieren. Er aktualisiert die Ausgaben von 2022 und 2018 und erweitert sowohl den zeitlichen als auch den thematischen Umfang der Forschung. Neben langfristigen Reihen zu Einkommen und Vermögen vertieft dieser Bericht die Analyse der Umverteilung, der geschlechtsspezifischen Unterschiede, der politischen Spaltungen und des internationalen Finanzsystems. Er treibt auch Arbeit zur globalen Steuergerechtigkeit voran und liefert neue Erkenntnisse darüber, wie eine progressive Besteuerung erhebliche Ressourcen zur Finanzierung von Bildung, Gesundheit und Klimaanpassung mobilisieren könnte.
UN-Steuerkonvention für ein faires Steuersystem
Mit der Steuerrahmenkonvention verhandeln Staaten Fragen der internationalen Steuerkooperation zum ersten Mal formal gleichberechtigt unter dem Dach der Vereinten Nationen. Die dritte Verhandlungsrunde fand vom 10. bis 19. November in Nairobi statt. Seit Jahrzehnten setzt sich die Zivilgesellschaft für einen solchen inklusiven multilateralen Rahmen ein.