Systemische Fragen
Die Finanz- und Wirtschaftssysteme sind global eng miteinander verwoben. Wenn die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik ändert, hat das direkte Auswirkungen auf Investitionsflüsse weltweit und auf die Fähigkeit von Ländern im Globalen Süden, sich zu finanzieren. Zugleich gibt es seit Jahrzehnten Diskussionen darum, ob bzw. wie die institutionelle Architektur der regionalen und globalen Organisationen in diesem Bereich – allen voran der Internationale Währungsfonds und die Weltbank – reformiert werden kann.
Weiterhin geht es um die Frage, wie globale Mono- bzw. Oligopole verhindert oder aufgebrochen werden können, wie man Rohstoffmärkte so ausgestaltet, dass sie Krisen nicht befeuern, welche Rolle Kreditratingagenturen spielen oder welche Rolle Migration im internationalen Wirtschaftsgeschehen hat.
Die gegenseitige Abhängigkeit rächt sich
In der heutigen vernetzten Weltwirtschaft breiten sich geopolitische Schocks über Handels-, Produktions- und Finanznetzwerke aus, die auf Effizienz und nicht auf Widerstandsfähigkeit ausgelegt sind. Wenn Störungen kritische Lieferketten treffen, können vorübergehende Preisspitzen zu anhaltendem Inflationsdruck führen und das Risiko einer Stagflation erhöhen.
IKK 2026: Kartellrecht in Gefahr?
Die internationale Kartellkonferenz (IKK) des Bundeskartellamts in Berlin vom 11. bis 13. März stand im Zeichen des aktuellen geopolitischen Wandels. Stellenweise drängte sich der Eindruck auf, dass es kaum mehr um Wettbewerbspolitik ging, sondern darum sie zu schwächen. Ein besorgniserregender Trend, der auch über Deutschland hinaus wirkt.
Wie Ratingagenturen die Finanzierungsbedingungen im Globalen Süden prägen
Ein neues Briefing von Latindadd und TWN zeigt, wie Kreditratingagenturen über Länderbewertungen die Kosten von Verschuldung, den Zugang zu Kapital und damit wirtschaftspolitische Spielräume im Globalen Süden beeinflussen. Im Fokus steht die Frage, wie ein System vermeintlich objektiver Risikobewertung bestehende Ungleichheiten verstärkt.
Zivilgesellschaft bekräftigt Forderung nach stärkerem Engagement des IWF
In einem gemeinsamen Schreiben an die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, und die Exekutivdirektoren bekräftigt ein Bündnis aus 125 zivilgesellschaftlichen Organisationen die Forderung, die Einbindungs- und Konsultationsprozesse mit zivilgesellschaftlichen Organisationen bei der nächsten Überarbeitung der IWF-Leitlinien zur Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft zu verbessern.
Die Hegemonie des Dollars als Macht zur Rechtssetzung
Der sogenannte Einsatz des Dollars als Waffe im Rahmen des eskalierenden geopolitischen Wettbewerbs hat die Aufmerksamkeit auf die Dollar-Hegemonie in den Bereichen des Völkerrechts, der internationalen Beziehungen und der politischen Ökonomie gelenkt. Dieser Artikel leistet einen Beitrag zu Diskussionen über die Vorteile, die den USA aufgrund der internationalen Rolle des Dollars zuteilwerden, sowie zu aufkommenden Debatten über Völkerrecht und politische Ökonomie, indem er aufzeigt, dass die Dollar-Hegemonie als eine Form der internationalen Gesetzgebungsmacht fungiert.
Steigende Ölpreise und die Verschuldung der Entwicklungsländer – der nächste Schock ist bereits da
Erneut sind die Entwicklungsländer von den Auswirkungen einer Krise betroffen, die sie nicht verursacht haben. Seit Beginn der US-amerikanisch-israelischen Luftangriffe auf den Iran am 28. Februar sind die weltweiten Ölpreise in die Höhe geschossen, was weit über den Nahen Osten hinaus Auswirkungen hat und sich auf die Spreads von Staatsanleihen in den Entwicklungs- und Schwellenländern des Globalen Südens auswirkt.
Spritpreise: Klares Vorgehen gegen Machtkonzentration nötig
Die steigenden Benzinpreise sind Folge einer erheblichen Marktkonzentration, die den Mineralölkonzernen eine umfassende Gewinnabschöpfung zulasten von Verbraucher*innen ermöglicht. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um der Machtposition der Mineralölindustrie und deren Übergewinnen entgegenzuwirken – zugunsten einer ausgewogenen Wirtschaftsstruktur mit weniger Abhängigkeiten.
Antwerp Counter-Declaration
Für Regeln, die Demokratie, Menschen und Umwelt schützen
SÜDWIND e.V. hat gemeinsam mit mehr als 270 Organisationen aus ganz Europa die Antwerp Counter-Declaration unterzeichnet. Der offene Brief warnt vor einer zunehmenden Deregulierungsagenda in der EU, die unter dem Deckmantel von „Vereinfachung“ und „Entbürokratisierung“ wichtige Schutzstandards für Umwelt, Gesundheit, Arbeitsrechte und Demokratie schwächen könnte.
Stablecoins bergen neue Risiken für Schwellenländer
Stablecoins entwickeln sich in Afrika, Asien und Lateinamerika rasch von Zahlungsmitteln zu einer vollwertigen Finanzinfrastruktur und bringen Risiken mit sich, die in der US-zentrierten Debatte weitgehend übersehen wurden. Da parallele Zahlungssysteme über den Geltungsbereich der bestehenden Bankvorschriften hinauswachsen, müssen die politischen Entscheidungsträger den Regulierungsrahmen erweitern.
„IWF, Hände weg von unserer Zukunft“
Kristalina Georgieva vom Internationalen Währungsfonds (IWF) war vom 16. bis 18. Februar in Sri Lanka. Der IWF kündigte den Besuch seiner Geschäftsführerin als Gelegenheit an, „die Auswirkungen des Zyklons Ditwah aus erster Hand zu beobachten“ und zu untersuchen, wie die Institution „die Wiederaufbaubemühungen unterstützen und zum Aufbau einer widerstandsfähigeren Zukunft für alle Sri Lanker beitragen“ kann. Das kommt nicht bei allen gut an.