Systemische Fragen

Die Finanz- und Wirtschaftssysteme sind global eng miteinander verwoben. Wenn die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik ändert, hat das direkte Auswirkungen auf Investitionsflüsse weltweit und auf die Fähigkeit von Ländern im Globalen Süden, sich zu finanzieren. Zugleich gibt es seit Jahrzehnten Diskussionen darum, ob bzw. wie die institutionelle Architektur der regionalen und globalen Organisationen in diesem Bereich – allen voran der Internationale Währungsfonds und die Weltbank – reformiert werden kann.

Weiterhin geht es um die Frage, wie globale Mono- bzw. Oligopole verhindert oder aufgebrochen werden können, wie man Rohstoffmärkte so ausgestaltet, dass sie Krisen nicht befeuern, welche Rolle Kreditratingagenturen spielen oder welche Rolle Migration im internationalen Wirtschaftsgeschehen hat.

Systemische Fragen | 4.06.2026

Global Justice Report: Ein Plan für Gleichheit und Wohlstand innerhalb planetarer Grenzen

Das World Inequality Lab stellt mit dem Global Justice Report einen umfassenden Plan vor, der globale Ungleichheit, Klimaschutz und Wirtschaftsordnung zusammen denkt. Der Bericht skizziert einen Übergang bis 2100, in dem das durchschnittliche Monatseinkommen in allen Ländern auf 5.000 Euro steigt, die globale Erwärmung bei 1,8 Grad begrenzt wird und die Verteilung von Einkommen, Vermögen und Arbeitszeit deutlich egalitärer ausfällt. Dafür seien schnelle Dekarbonisierung, ein Umstieg auf Suffizienz, starke Umverteilung und eine tiefgreifende Reform der internationalen Finanz- und Wirtschaftsordnung nötig.

Systemische Fragen | 3.06.2026

Analyse: Too Big To (Stable)Coin

Warum Big-Tech-Stablecoins Europas monetäre Souveränität gefährden

Big Tech wie Amazon oder Meta wollen mit eigenen Stablecoins weiter in den Finanzektor eindringen. Eine neue Analyse von Finanzwende Recherche zeigt: Mit solchen Big-Tech-Stablecoins riskieren wir den fairen Wettbewerb, die Finanzstabilität und die monetäre Souveränität Europas. Aber die Analyse von Finanzwende Recherche zeigt auch: Die EU kann dagegen vorgehen. Mit einem Verbot von Big-Tech-Stablecoins und der Einführung des digitalen Euros kann die EU uns vor den Risiken aus privatem Big-Tech-Geld schützen.

Systemische Fragen | 3.06.2026

Leitlinien für die Fusionskontrolle: Spannender Austausch in Brüssel

Derzeit werden die EU-Leitlinien zur Prüfung von Fusionen überarbeitet. Den Prozess dazu begleitet Rebalance Now von Beginn an. Das Ergebnis ist entscheidend dafür, wie viel Marktkonzentration künftig in Europa zugelassen wird. Am 30. April 2026 hatte die Europäische Kommission den Entwurf der überarbeiten Version der Leitlinien veröffentlicht.

Systemische Fragen | 28.05.2026

Gott gegen Google

Der Papst hat die vielleicht wichtigste politische Frage zur Künstlichen Intelligenz gestellt: Wer kontrolliert die digitale Ordnung der Zukunft – und wem dient sie? Während europäische Regierungen die KI-Debatte meist technokratisch oder wirtschaftspolitisch führen, formuliert Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika eine grundlegende Kritik an Machtkonzentration, Datenkontrolle und digitaler Ungleichheit. Damit füllt er eine Leerstelle, die die demokratische Politik bislang offenlässt.

Systemische Fragen | 21.05.2026

UN-Berichte fordern Ablösung des Bruttoinlandsprodukts

Human Rights Watch interpretiert zwei neue UN-Berichte als wichtige Bausteine für einen Paradigmenwechsel. Der erste Bericht, vorgelegt von einer Expertengruppe der UN-Organisation, schlägt ein Dashboard mit 31 Indikatoren vor, darunter zentrale Menschenrechtsmaße in Gesundheit, Bildung, Arbeitsrechte, Diskriminierung, Armutsverringerung, Ungleichheit, Umwelt und öffentliches Vertrauen. Der zweite Bericht ist eine Roadmap von Olivier de Schutter, Sonderberichterstatter für extreme Armut und Menschenrechte, und verlangt konkrete Maßnahmen zur besseren Umsetzung von Menschenrechten: Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen, soziale Sicherheit, Arbeitsrechte, Überwachung von Menschenrechten und Adoption von Indikatoren Beyond GDP. HRW betont, dass GDP Kreditspannen und Staatsschulden beeinflusst, aber keine zuverlässige Prädiktor für Vulnerabilität ist; ein neuer Indikator, der Menschenrechte, Ungleichheit und Nachhaltigkeit integriert, könnte Datenqualität verbessern und Regierungen zu gerechteren Entscheidungen bewegen.

Systemische Fragen | 18.05.2026

Internationale Finanzinstitutionen, Austerität und MenschenrechteEin struktureller Widerspruch

Ziad Abdel Samad vom Arab NGO Network for Development argumentiert, dass es zwischen den Programmen internationaler Finanzinstitutionen und der Umsetzung von Menschenrechten einen grundlegenden strukturellen Konflikt gebe. Er beschreibt, wie Austerität, Kürzungen öffentlicher Ausgaben, Privatisierung und andere Auflagen in vielen Ländern soziale Rechte schwächen und demokratische Handlungsspielräume einschränken. Der Text ordnet diese Dynamik in die größere Krise des globalen Finanzsystems ein und plädiert dafür, Wirtschafts- und Finanzpolitik stärker an Menschenrechten, sozialer Gerechtigkeit und staatlichem Gestaltungsspielraum auszurichten.

Systemische Fragen | 14.05.2026

Für Menschenrechte braucht es Geld

Attiya Waris schreibt, dass Menschenrechte nicht nur von guten Normen abhängen, sondern von verlässlichen öffentlichen Mitteln, internationaler Kooperation und fairen Regeln dafür, wie Geld über Grenzen hinweg verteilt wird. Sie kritisiert, dass derzeit ein kleiner Kreis wohlhabender Staaten und privater Akteure die Finanzordnung stark prägt, während Länder im Globalen Süden zu wenig fiskalischen Spielraum haben, um Rechte praktisch umzusetzen. Der Text ordnet deshalb Steuerfragen in eine größere Debatte über Schulden, Entwicklungsfinanzierung, Kapitalflüsse und globale Ungleichheit ein.

Systemische Fragen | 7.05.2026

Gewinne werden gemästet, Menschen hungern

Wie die Finanzialisierung der Lebensmittel den Planeten verschlingt

Die weltweite Ernährungsunsicherheit, Hunger und Unterernährung verschärfen sich, angetrieben durch sich überschneidende Krisen und steigende Lebensmittelpreise. Doch hinter diesen Schocks verbirgt sich ein tieferes Problem: die zunehmende Konzentration von Unternehmensmacht und die Finanzialisierung der Lebensmittelsysteme. Heute bestimmen die Finanzmärkte, wie Lebensmittel produziert, gehandelt und konsumiert werden – und machen sie so zu einer globalen Ware und einem Finanzgut, losgelöst von lokalen Ökosystemen und Gemeinschaften. Land und Landwirtschaft werden zunehmend als Investitionsmöglichkeiten betrachtet, oft auf Kosten von Kleinbauern und der Ernährungssouveränität.

Systemische Fragen | 7.05.2026

Entwurf der Leitlinien für die Fusionskontrolle – ein besorgniserregendes Signal

Nach einer langen Konsultationsphase hat die EU-Kommission Anfang Mai ihren Entwurf für neue Leitlinien für die Fusionskontrolle veröffentlicht. Auf deren Grundlage werden große Fusionen in Europa geprüft und entweder genehmigt oder untersagt. Der erste Eindruck: der Entwurf ist besorgniserregend und liefert die Grundlage für mehr Marktkonzentration in Europa.

Systemische Fragen | 6.05.2026

Von der Leyen stoppt Milliardenstrafe gegen Google – Kritik von Parlament und Zivilgesellschaft

Ursula von der Leyen hat eine bereits geplante Milliardenstrafe gegen Google in letzter Minute gestoppt. Das berichten übereinstimmend das Handelsblatt und Capitol Forum. In einem offenen Brief fordern heute 34 Organisationen die Kommissionspräsidentin auf, die Strafe zeitnah zu vollziehen und den DMA wirksam durchzusetzen.

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