Systemische Fragen
Die Finanz- und Wirtschaftssysteme sind global eng miteinander verwoben. Wenn die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik ändert, hat das direkte Auswirkungen auf Investitionsflüsse weltweit und auf die Fähigkeit von Ländern im Globalen Süden, sich zu finanzieren. Zugleich gibt es seit Jahrzehnten Diskussionen darum, ob bzw. wie die institutionelle Architektur der regionalen und globalen Organisationen in diesem Bereich – allen voran der Internationale Währungsfonds und die Weltbank – reformiert werden kann.
Weiterhin geht es um die Frage, wie globale Mono- bzw. Oligopole verhindert oder aufgebrochen werden können, wie man Rohstoffmärkte so ausgestaltet, dass sie Krisen nicht befeuern, welche Rolle Kreditratingagenturen spielen oder welche Rolle Migration im internationalen Wirtschaftsgeschehen hat.
Wallet Wars
Der Kampf der Bankenlobby gegen den digitalen Euro kämpft
Finanzwende enthüllt in dieser Lobby-Recherche, wie Banken und Finanzakteure mit Positionspapieren, Treffen und Medienarbeit den digitalen Euro bremsen, um Profite aus Einlagen und Zahlungsverkehr zu schützen. Die Kampagne schürt Ängste vor Finanzinstabilität und hoher Kosten, während die EZB-Kommission 58 Mal mit Branchenvertretern traf, aber nur einmal mit Zivilgesellschaft. Ergebnis: Vorschläge für unattraktiven digitalen Euro mit Höchstbeträgen, fehlender Verzinsung und hohen Gebühren zugunsten der Banken.
Zerfall der Weltordnung
Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des Globalen Südens
Die globale Ordnung steht vor einem historischen Bruch. Während westliche Staaten an überholten Dogmen festhalten und ihre eigenen Regeln zunehmend selektiv auslegen, fordert der Globale Süden Mitsprache und Gerechtigkeit ein. Patrick Kaczmarczyk zeigt in Zerfall der Weltordnung, wie marktliberale Ideologien, neokoloniale Strukturen und massive wirtschaftliche Ungleichgewichte über Jahrzehnte Entwicklung verhinderten – und warum der Frust vieler Länder heute berechtigt ist. Anhand klarer Analysen zu Finanzmärkten, Handelspolitik, Schulden und internationalen Institutionen legt er offen, weshalb das bisherige System ins Wanken geraten ist. Zugleich skizziert er, welche Reformen notwendig wären, um den drohenden Rückfall in internationale Anarchie zu verhindern.
Neue Studie warnt vor Machtkonzentration in Agrar-Lieferketten
Eine neue Studie von Rebalance Now und Misereor zeigt: Wenige Konzerne kontrollieren zunehmend die Agrar-Lieferketten. Das treibt Preise hoch, benachteiligt kleinere Betriebe in Europa und weltweit und begünstigt unfaire Handelspraktiken. Deshalb fordern die Herausgeber der Studie kartellrechtliche Reformen: Große Fusionen von Unternehmen müssen strenger geprüft und Regeln gegen unfaire Handelspraktiken aktualisiert und konsequent umgesetzt werden. Die Kartellbehörden müssen eine weitere Vermachtung der Lieferketten verhindern, gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten.
Der Hunger als fest verankertes Phänomen
Die Bretton-Woods-Institutionen und die Finanzialisierung der Ernährungssysteme
Der neue Bericht von BWP untersucht, wie die Politik des IWF und der Weltbank dazu beigetragen hat, die globalen Ernährungssysteme so umzugestalten, dass Finanzspekulationen Vorrang vor Ernährungssicherheit haben. Er kommt zu dem Schluss, dass die Finanzialisierung der Agrarrohstoffmärkte keine neutrale Marktentwicklung ist, sondern ein struktureller Wandel, der die Schwankungen der Lebensmittelpreise verstärkt und die weltweite Ernährungsunsicherheit verschärft hat.
Die Weltbank in Zeiten des Umbruchs
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran, geopolitischer Wettstreit und vielschichtige Wirtschaftskrisen prägen die Schlagzeilen vor der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF. Ein neues WEED-Briefing schaut hinter die aktuellen Schlagzeilen und Krisen auf eine Weltbank im Umbruch: Was ist aus dem Reformversprechen bei der Weltbank geworden? Welche strukturellen Verschiebungen laufen still im Hintergrund weiter? Und welche Debatten sollten eigentlich im Vordergrund stehen? Das Briefing liefert eine kritische Bestandsaufnahme laufender Debatten und Entwicklungen vor der Frühjahrestagung, für alle die sich einen Überblick verschaffen wollen.
Jenseits der Unterordnung: Effektive Koordination zwischen Fiskal- und Geldpolitik
Latindadd veröffentlicht diesen Bericht, der die traditionelle Unterordnung der Fiskal- unter die Geldpolitik in Lateinamerika hinterfragt. Er analysiert historische Modelle, aktuelle Herausforderungen wie Inflation und Schulden sowie Vorteile einer symmetrischen Koordination. Der Text empfiehlt institutionelle Reformen für bessere Policy-Mix, um Wachstum, Stabilität und soziale Ziele zu erreichen, mit Fallstudien aus der Region.
Bretton Woods Observer – Frühjahr 2026
Die Frühjahrsausgabe 2026 des Bretton Woods Observer ist erschienen. Angesichts der geopolitischen Spannungen, die die globale Governance neu gestalten, rückt diese Ausgabe die Weltbank und den IWF in den Fokus – von der umstrittenen Rolle der Bank im von den USA geführten Friedensrat bis hin zu wachsenden Bedenken hinsichtlich der Rechenschaftspflicht und der Rolle internationaler Finanzinstitutionen. Diese Ausgabe analysiert zudem Themen wie den Wandel von Entwicklungsparadigmen, den steigenden Schuldendruck und Machtungleichgewichte zwischen den Vereinten Nationen und internationalen Finanzinstitutionen.
Die Frühjahrstagung des IWF muss drei Reformen hervorbringen
Kenias jüngste Entscheidung, auf Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds zu verzichten, verdeutlicht die Asymmetrie, die der multilateralen Finanzarchitektur zugrunde liegt. Wenn sich die politischen Entscheidungsträger zur Frühjahrstagung versammeln, haben sie die Gelegenheit, diese strukturellen Ungleichgewichte anzugehen, angefangen mit einer grundlegenden Überarbeitung des Quotensystems des IWF.
Argentinien und der IWF
Eine höchst instabile Stabilisierung
Acht Jahre IWF-Programme haben weder wirtschaftliche Stabilität noch verlässlichen Marktzugang gebracht; stattdessen bleiben hohe Inflation, schwache Reserven und neue Abhängigkeiten von außergewöhnlicher Finanzierung. Das aktuelle Abkommen verschärft die Spannungen zwischen Schuldenstand, Sozialkosten und institutionellen Defiziten, während die Frage der Schuldentragfähigkeit offen bleibt.
IMF- und Weltbankpolitik als Ölpreistreiber
Wie Liberalisierung und Exportabhängigkeit die Verwundbarkeit gegenüber Preisschocks erhöht haben.
Der IBON-Blogbeitrag argumentiert, dass IMF- und Weltbankreformen in vielen Ländern den Aufbau eigener Energiereserven und eine diversifizierte, resiliente Wirtschaftsstruktur geschwächt haben – und sie dadurch anfälliger für Ölpreisschocks machten. Er kritisiert damit eine Politik, die kurzfristige Marktöffnung und fiskalische Anpassung priorisiert, aber die strukturellen Risiken für Versorgungssicherheit und Entwicklung unterschätzt.