Systemische Fragen
Die Finanz- und Wirtschaftssysteme sind global eng miteinander verwoben. Wenn die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik ändert, hat das direkte Auswirkungen auf Investitionsflüsse weltweit und auf die Fähigkeit von Ländern im Globalen Süden, sich zu finanzieren. Zugleich gibt es seit Jahrzehnten Diskussionen darum, ob bzw. wie die institutionelle Architektur der regionalen und globalen Organisationen in diesem Bereich – allen voran der Internationale Währungsfonds und die Weltbank – reformiert werden kann.
Weiterhin geht es um die Frage, wie globale Mono- bzw. Oligopole verhindert oder aufgebrochen werden können, wie man Rohstoffmärkte so ausgestaltet, dass sie Krisen nicht befeuern, welche Rolle Kreditratingagenturen spielen oder welche Rolle Migration im internationalen Wirtschaftsgeschehen hat.
Wer IFIs prägt, muss auch ihre Macht begrenzen und kontrollieren
Ein neuer Bericht von CESR beleuchtet die Macht von IWF, Weltbank und anderen Finanzinstitutionen, die Staaten nicht nur Geld verleihen, sondern auch wirtschaftspolitische Weichen stellen. Die Rolle und Verantwortung der jeweiligen Eigentümer und größten Anteilseigner komme in diesen Betrachtungen oft zu kurz. Gefordert werden klare menschenrechtliche und ökologische Leitplanken, mehr Transparenz und echte Mitsprache für Betroffene.
Die Welt braucht einen Öl-Einkaufsclub
Während die Welt in eine weitere Energiekrise stürzt, führt die Marktverteilung zu grob ungerechten Ergebnissen, da die Reichen die Armen überbieten. Ein multilateraler Öl-Einkaufsclub ist dringend erforderlich, um eine Preisobergrenze auf den globalen Ölmärkten zu verteidigen und Ressourcen so zu verteilen, dass die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen gedeckt und die wirtschaftlichen Folgen minimiert werden.
Krieg, Hilfekürzungen und Austerität: IWF und Weltbank riskieren Vertiefung der humanitären Krise
Eurodad kritisiert in dieser Reaktion auf die Spring Meetings 2026 die unzureichenden Antworten von IWF und Weltbank auf Krieg, Hilfekürzungen, Schulden und Austerität. Trotz Alarm vor globaler Wirtschaftskrise werden Austeritätsprogramme fortgesetzt, ohne Schuldenmoratorien oder Surcharge-Sperren für Länder wie Pakistan und Ägypten. 65 CSOs fordern dringend Schuldenentlastung, Finanzierung und Governance-Reformen.
Santa Marta: Erste Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen
Re-Course fasst in diesem Briefing die erste Konferenz zum Übergang von fossilen Brennstoffen (TAFF) in Santa Marta (24.–29. April 2026) zusammen. Die Veranstaltung, ausgerichtet von Kolumbien und den Niederlanden mit 57 Ländern, fokussierte auf praktische Wege zum Phase-out, inklusive Roadmaps, Handelspolitik und Finanzreformen. Ergebnisse umfassen ein Steering Committee, thematische Workstreams und Ankündigung der zweiten Konferenz 2027 in Tuvalu.
Wallet Wars
Der Kampf der Bankenlobby gegen den digitalen Euro
Finanzwende enthüllt in dieser Lobby-Recherche, wie Banken und Finanzakteure mit Positionspapieren, Treffen und Medienarbeit den digitalen Euro bremsen, um Profite aus Einlagen und Zahlungsverkehr zu schützen. Die Kampagne schürt Ängste vor Finanzinstabilität und hoher Kosten, während die EZB-Kommission 58 Mal mit Branchenvertretern traf, aber nur einmal mit Zivilgesellschaft. Ergebnis: Vorschläge für unattraktiven digitalen Euro mit Höchstbeträgen, fehlender Verzinsung und hohen Gebühren zugunsten der Banken.
Zerfall der Weltordnung
Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des Globalen Südens
Die globale Ordnung steht vor einem historischen Bruch. Während westliche Staaten an überholten Dogmen festhalten und ihre eigenen Regeln zunehmend selektiv auslegen, fordert der Globale Süden Mitsprache und Gerechtigkeit ein. Patrick Kaczmarczyk zeigt in Zerfall der Weltordnung, wie marktliberale Ideologien, neokoloniale Strukturen und massive wirtschaftliche Ungleichgewichte über Jahrzehnte Entwicklung verhinderten – und warum der Frust vieler Länder heute berechtigt ist. Anhand klarer Analysen zu Finanzmärkten, Handelspolitik, Schulden und internationalen Institutionen legt er offen, weshalb das bisherige System ins Wanken geraten ist. Zugleich skizziert er, welche Reformen notwendig wären, um den drohenden Rückfall in internationale Anarchie zu verhindern.
Neue Studie warnt vor Machtkonzentration in Agrar-Lieferketten
Eine neue Studie von Rebalance Now und Misereor zeigt: Wenige Konzerne kontrollieren zunehmend die Agrar-Lieferketten. Das treibt Preise hoch, benachteiligt kleinere Betriebe in Europa und weltweit und begünstigt unfaire Handelspraktiken. Deshalb fordern die Herausgeber der Studie kartellrechtliche Reformen: Große Fusionen von Unternehmen müssen strenger geprüft und Regeln gegen unfaire Handelspraktiken aktualisiert und konsequent umgesetzt werden. Die Kartellbehörden müssen eine weitere Vermachtung der Lieferketten verhindern, gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten.
Der Hunger als fest verankertes Phänomen
Die Bretton-Woods-Institutionen und die Finanzialisierung der Ernährungssysteme
Der neue Bericht von BWP untersucht, wie die Politik des IWF und der Weltbank dazu beigetragen hat, die globalen Ernährungssysteme so umzugestalten, dass Finanzspekulationen Vorrang vor Ernährungssicherheit haben. Er kommt zu dem Schluss, dass die Finanzialisierung der Agrarrohstoffmärkte keine neutrale Marktentwicklung ist, sondern ein struktureller Wandel, der die Schwankungen der Lebensmittelpreise verstärkt und die weltweite Ernährungsunsicherheit verschärft hat.
Die Weltbank in Zeiten des Umbruchs
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran, geopolitischer Wettstreit und vielschichtige Wirtschaftskrisen prägen die Schlagzeilen vor der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF. Ein neues WEED-Briefing schaut hinter die aktuellen Schlagzeilen und Krisen auf eine Weltbank im Umbruch: Was ist aus dem Reformversprechen bei der Weltbank geworden? Welche strukturellen Verschiebungen laufen still im Hintergrund weiter? Und welche Debatten sollten eigentlich im Vordergrund stehen? Das Briefing liefert eine kritische Bestandsaufnahme laufender Debatten und Entwicklungen vor der Frühjahrestagung, für alle die sich einen Überblick verschaffen wollen.
Jenseits der Unterordnung: Effektive Koordination zwischen Fiskal- und Geldpolitik
Latindadd veröffentlicht diesen Bericht, der die traditionelle Unterordnung der Fiskal- unter die Geldpolitik in Lateinamerika hinterfragt. Er analysiert historische Modelle, aktuelle Herausforderungen wie Inflation und Schulden sowie Vorteile einer symmetrischen Koordination. Der Text empfiehlt institutionelle Reformen für bessere Policy-Mix, um Wachstum, Stabilität und soziale Ziele zu erreichen, mit Fallstudien aus der Region.